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Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, muss die Verantwortung übernehmen. Ein Kommentar von FuW-Redaktorin Monica Hegglin.

Monica Hegglin
«Die Dimension des Schlamassels verbietet einen Abgang in Ehren für Verwaltungsratspräsident Urs Rohner.»

Das Debakel rund um den US-Hedge-Fund Archegos und der Zusammenbruch der CS-Greensill-Lieferkettenfonds sollen finanzielle Folgen für die Führungsspitze der Credit Suisse (CSGN 9.81 -0.16%) haben. Der Grossaktionär Harris Associates will einen Lohnverzicht von Verwaltungsratspräsident Urs Rohner.

Die Forderung kann einem nur ein müdes Lächeln entlocken. Sicher, auch für Urs Rohner sind 4 Mio. Fr. viel Geld. Aber es geht auch um persönliche Verantwortung für eine fehlgeleitete Jagd nach Rendite. Binnen kürzester Zeit hat CS Milliarden verloren und ihr Renommee verspielt. Die Dimension des Schlamassels verbietet einen Abgang in Ehren für Urs Rohner. Der Verwaltungsrat der CS mit dem Roche-Manager Severin Schwan als Vizepräsidenten muss handeln, auch wenn Rohners Karriere bei CS in vier Wochen sowieso endet. Sonst käme Rohner wohl noch auf die Idee, seine Verwaltungsratskarriere bei anderen Gesellschaften weiterzuverfolgen.

Wer im Geschäftsbericht der Credit Suisse den Begriff «Compliance» googelt, erhält 192 Resultate. Das Suchwort «Risiko» bringt 1948 Treffer. Die Verantwortung reicht bis nach ganz oben. Auf Stufe VR gibt es ein Risk Committee, das «die wesentlichen Risiken regelmässig überprüft». Auf Stufe Geschäftsleitung existiert ein Risikoforum, das aus einem halben Dutzend weiterer Komitees besteht. Dazu kommen die Risikoabteilungen der Divisionen.

CS hat viel in Kontrollsysteme investiert. Das Reporting wurde ausgebaut bis zum Abwinken. Sicher liesse sich der eine oder andere Ablauf verbessern. Zweifellos leuchteten im ausgeklügelten System der CS sowohl bei Greensill wie bei Archegos verschiedenste Alarmlampen auf. Doch niemand wollte die Warnzeichen wahrnehmen. Es sind nicht die Systeme, die versagt haben, sondern Personen.

Leser-Kommentare

Markus Fischer 30.03.2021 - 16:25

Sehr guter Kommentar, viel zu viel und zu lange hat sich VRP Rohner aus der Verantwortung geschlichen immer wieder mit nicht nachvollziehbarem Support der Ankeraktionäre wenn man die miserable Performance der Aktie während seiner Amtszeit in Betracht zieht. Eines ist klar, der Aktienkurs lügt nie und zeigt deutlich und klar auf ob man von Erfolg oder Misserfolg sprechen muss……,.

Roberto Binswanger 30.03.2021 - 17:01

Ein Abgang in Ehren ist dem Rohner zu verwehren.

Peter Martin Wigant 30.03.2021 - 23:39
Es ist die Gier der Schweizer Grossbanken die sie von einem teuern Fiasko zum nächsten taumeln lässt. Wenn, wie Monica Hegglin schreibt, die CS über ausgeklügelte Kontrollsysteme vefügt, dann müssen jetzt aber auch die Personen die das System beobachten sollten, und die Alarmlampen nicht sahen, ausgewechselt werden. Es ist wie im TV Krimi; der Nachtwächter sitzt vor einer Batterie von… Weiterlesen »
Christoph Saetteli 31.03.2021 - 20:41
Es besteht die Gefahr dass, je ausgeklügelter die Riskosysteme, je technisch anspruchsvoller diese sind, die Verantwortungsträger die Informationen daraus nicht richtig einschätzen können, oder sich in falscher Sicherheit wähnen. Nicht die Komplexität des Systems garantiert die korrekte Information, sondern die richtige Verwendung der daraus erhaltenen Informationen und die analytische Arbeit im grösseren Zusammenhang der Unternehmensführung, und diese liegt beim Entscheidungsträger… Weiterlesen »
fhaslinger64 31.03.2021 - 22:16
Das Kreditgeschaeft ist die Koenigsdisziplin einer jeder Bank … ausser der CS! Einen Lombardkredit (mit Aktien als Sicherheit) zu gewaehren (ob gehebelt oder nicht) ist so ziemlich das einfachste auf dieser Welt! Einen 90% Kredit auf Nebenwerte oder Aktienwerte in Schwellen- oder Entwicklungslaender in Rahmen einer fuer den Anleger limiterten Risikokleid (z.B. Aktiengesellschaft, Fonds etc.) ohne eine rechtliche Moeglichkeit, einen… Weiterlesen »