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Meinungen

Solarstrom taugt nicht zum AKW-Ersatz

René Weiersmüller
«Dass die durch Solarsubventionen verursachte Fehlentwicklung dereinst durch weitere Subventionen korrigiert wird, ist nicht auszuschliessen.»
Das Problem des unregelmässig anfallenden Solarstroms ist nach wie vor ungelöst. Ein Kommentar von René Weiersmüller.

Die vorübergehende Abschaltung der beiden Blöcke des AKW Beznau hat Spuren hinterlassen. Das Gejammer der Stromlobby, als Folge einer ungenügenden Trafokapazität könne nicht genügend Ersatzstrom importiert werden, war allerdings etwas übertrieben. Für den Normalbetrieb genügen die Trafokapazitäten für einen ausreichenden Stromimport. Zudem hilft eine bessere Füllung der Pumpspeicherseen bei gleichzeitiger Schonung der Stauseenkapazitäten. Letztere dienen dann vor allem zur Deckung der Lastspitzen.

Eine daraus resultierende Ertragseinbusse kann jedoch nicht wegdiskutiert werden. Für den Bürger sind diese Auswirkungen aber mit Blick auf die horrenden Kosten der dekretierten Substitution von Atom- durch Solarstrom nahezu vernachlässigbar.

Nur mit Planwirtschaft

Im Winter muss die Schweiz oft Strom importieren, obschon alle Schweizer Atomkraftwerke mit gut 3000 Megawatt (MW) elektrischer Leistung Tag und Nacht dauernd am Netz sind. Angenommen, die Leistung der vorübergehend stillgelegten AKW Beznau 1 und 2 müsste durch Sonnenenergie gedeckt werden: Um die fehlenden 700 MW während der sonnenarmen Monate November bis Januar für den Status quo durch Solarstrom zu erzeugen, wären je nach Randbedingungen gegen 80 km2 Solarzellen notwendig. Dies entspricht einem Viertel der Fläche des Kantons Schaffhausen. Mit viel Geld, gesetzlichem Zwang und einer sozialistischen Planwirtschaft ist das machbar.

Im Sommer erbrächte diese riesige Solarzellenfläche im Durchschnitt freilich rund das Vierfache der Stromleistung gegenüber den Monaten November bis Januar, also gegen 3000 MW. Rein rechnerisch liesse sich damit in der Schweiz fast der halbe Strombedarf im Sommer decken. Diesen Strom will dann aber normalerweise kaum jemand – er muss jedoch aus Gründen der Netzstabilität weg.

Die Speicherung in Pumpspeicherseen ist Utopie, müsste doch dafür theoretisch der halbe Rheinabfluss bei Basel dauernd auf etwa 900 m ü. M. hochgepumpt werden. Das sind unrealistische Tagesmittelwerte. Denn effektiv ist die Leistung der Sonne nachts null. Dafür können tagsüber bei starker Sonneneinstrahlung Spitzenwerte von etwa 12’000 MW anfallen.

Über den Tisch gezogen

Technisch noch recht einfach lösbar wäre das Problem durch eine zeitweise Trennung der Solaranlagen vom Netz. So richtig über den Tisch gezogen müssten sich dann allerdings diejenigen Solarstromproduzenten vorkommen, die Subventionen auf Basis der eingespeisten Strommenge beziehen. Für den grossen Teil des Stromertrags im Sommer bekämen sie nämlich keinen einzigen Rappen.

Ebenfalls keine Freude an einer solch eklatanten Verschwendung von Subventionsgeldern dürfte der bisher wiederholt fehlinformierte Bürger haben. So wie auch an der unsinnigen temporären Ausserbetriebnahme von Flusskraftwerken, um sommerliche Netzstabilitätsprobleme bei der prioritären Solarstromeinspeisung zu vermeiden. Dass diese durch Solarsubventionen verursachte Fehlentwicklung dereinst durch weitere Subventionen korrigiert wird, ist nicht auszuschliessen.

Ohne praktikable zentrale und/oder dezentrale Speichermöglichkeiten für den Tages- und den Saisonausgleich wird selbst ein nur teilweiser Ersatz von AKW-Strom durch Solarstrom zum Fiasko. Ob die gigantischen sommerlichen Solarstromüberschüsse dereinst sinnvoll für die zeitweise Tagesaufladung von Elektroboilern oder für die Herstellung von speicherbarem und auch motorentauglichem Wasserstoff genutzt werden können, wird sich erst noch zeigen müssen.