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Sollen die USA zum Goldstandard zurückkehren?

In den Vereinigten Staaten fordern konservative Kreise die Wiederanbindung des Dollars an Gold. Die Grosse Depression scheint man vergessen zu haben.

Alexander Trentin

Das Misstrauen gegenüber der US-Notenbank Fed ist weit verbreitet in libertär-konservativen Zirkeln der USA. So wird die Notenbank regelmässig von Anhängern der Tea-Party-Bewegung beschuldigt, versteckte Staatsfinanzierung zu betreiben und die Kaufkraft des Dollars zu untergraben. Ron Paul, libertäres Urgestein und ehemaliger Kongressabgeordneter, verlangte in seinem Wahlkampf gar die Abschaffung der US-Notenbank.

Diese Kritik ist im Mainstream angekommen. Der lockeren Geldpolitik des Fed wird vieles zur Last gelegt: Die ungerechtfertigt scheinende Rettung der Banken durch billiges Geld während der Finanzkrise und die Abkopplung der Finanzmärkte von der Lebenswirklichkeit vieler US-Amerikaner sind Ursachen für ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber dem Fed.

Nun will der Chefredaktor des Wirtschaftsmagazins «Forbes», Steve Forbes, die Macht des Fed und des Staates durch die Wiedereinführung des Goldstandards beschränken. Forbes, der schon zweimal Präsidentschaftskandidat der Republikaner werden wollte, erklärte vergangene Woche in einer Rede vor der libertären Konferenz Freedom Fest: «Nur ein neuer Goldstandard wird den US-Dollar retten.»

Logik: den Staat beschränken

Die Logik dahinter: Die freigiebige Geldpolitik des Fed schwäche den Dollar und erleichtere das Aufblähen des Staatsapparats. «Es ist sehr einfach, Geld auszugeben, wenn man es aus der Luft schaffen kann», meint Forbes. Diese Ideen verbreitet er auch in seinem neuen Buch «Money: How the Destruction of the Dollar Threatens the Global Economy – and What We Can Do About It». Er führt aus: «Das Fed hat keine Wertschätzung für einen starken Dollar.» Und Forbes meint, das Wachstum sei durch die Aufgabe des Goldstandards geschwächt worden: «Wäre die US-Wirtschaft wie unter dem Goldstandard gewachsen, wäre sie 7 bis 8 Bio. $ grösser.» Das Bruttoinlandprodukt der USA betrug 2012 etwa 15,7 Bio. $.

Die USA haben sich 1933 faktisch vom Goldstandard verabschiedet. Damit konnte die Geldmenge erhöht und die Wirtschaftskrise bekämpft werden. 1973 gab Richard Nixon bekannt, dass der Dollar nicht mehr an eine Golddeckung gebunden ist. Zuvor war der Dollarwert durch einen fixierten Goldpreis von 35 $ je Unze theoretisch fixiert. Praktisch konnte dieser Goldpreis jedoch nicht umgesetzt werden: Der private Goldbesitz war verboten. Hier eine Zusammenfassung von Tobias Straumann, warum der Goldstandard zusammengebrochen ist.

Auch der ehemalige Fed-Chef Alan Greenspan meinte noch 1966 zum Goldstandard:

«Ohne den Goldstandard gibt es kein Mittel, die Ersparnisse vor einer Enteignung durch Inflation zu schützen. Es gibt keine sichere Wertanlage.»

Doch Greenspan konnte später die geldpolitische Flexibilität des Fed geniessen. Und wer die Vergangenheit betrachtet, der kann nicht wirklich eine Rückkehr zur Welt des Goldstandards wollen. So erklärt Barry Eichengreen, Wirtschaftshistoriker in Berkeley, in einem Aufsatz zur Grossen Depression ab 1929:

«Die Mentalität des Goldstandards und die von ihm gestützten Institutionen haben die Fähigkeit von Regierungen und Zentralbanken beschränkt, auf Schwierigkeiten zu reagieren. Sie haben zur Annahme von politischen Massnahmen geführt, die die wirtschaftlichen Bedingungen verschlimmert haben, statt sie zu bessern.»

Deflation zur wirtschaftlichen Anpassung

Um Zahlungsbilanzdefizite auszugleichen, ist in einem strikten Goldstandard – wie bei jedem System der festen Wechselkurse – nur der Weg über eine interne Abwertung möglich. Diesen schmerzhaften Weg gehen gerade die südeuropäischen Mitglieder der Eurozone: Löhne und Preise müssen sinken, damit sie wieder wettbewerbsfähig werden.

Eichengreen argumentiert, dass in den Dreissigerjahren dieser Anpassungsmechanismus schwieriger war als zuvor: Die Löhne waren viel unflexibler als in den Frühjahren des Kapitalismus. Gewerkschaften und die Bildung von Grossunternehmen waren Gründe für diese Einschränkung der Lohnflexibilität. Der Berkeley-Professor resümiert: «Der Goldstandard war ein Schlüsselelement – wenn nicht das Schlüsselelement – im Kollaps der Weltwirtschaft.»

Wie reagieren Libertäre auf diese Kritik? Ein ernsthafter Versuch ist ein Aufsatz, den das Cato Institute 2013 herausgegeben hat. Lawrence H. White, Wirtschaftsprofessor in Washington, erklärt, auch das Fiat-Geldsystem (bei dem die Zentralbank die Geldmenge frei festlegen kann) sei «weit davon entfernt, eine perfekte Lösung zu sein». Ein möglichst freies Geldsystem ohne zentrale Steuerung, aber auf Grundlage von Gold ist nach seiner Ansicht eine bessere Lösung als ein zentral gesteuerter Goldstandard oder ein Fiat-Geldsystem.

Die Debatte über den Goldstandard ist auch achtzig Jahre nach seiner Abschaffung noch lange nicht verstummt.