Auf dem Kamelmarkt in der Hauptstadt Hargeisa treffen sich Züchter und Händler und feilschen zünftig. Oft werden die Schafe, Ziegen, Rinder oder eben Dromedare im Hafen von Berbera nach Arabien verschifft. Die Rede ist von Somaliland. Dieser Staat besteht faktisch seit 1991, doch völkerrechtlich ist er nicht anerkannt. Das Territorium zwischen Äthiopien, Djibouti und dem Golf von Aden entspricht der ehemaligen britischen Kolonie Somaliland, der Rest des geteilten Landes der einstigen italienischen Kolonie Somalia. Das abtrünnige Somaliland ist politisch und wirtschaftlich viel stabiler als Somalia – vielleicht gerade dank der diplomatischen Isolation. Es kommen kaum internationale Hilfsgelder ins Land, so fehlt der Korruption der Nährboden, und der Anreiz bleibt unbeschädigt, auf eigene Stärken zu setzen. Dazu zählen die Viehzucht, die Rückkehr gut ausgebildeter Somali ins Land sowie Rimessen von Auslandsomali. Die führenden Köpfe haben, unbeeinflusst von westlichen Besserwissern, ein eigenes politisches System geschaffen, das die mächtigen Clan-Strukturen mit modernen Elementen verbindet. Die Regierung bemüht sich um Mitgliedschaft in der Uno und der Afrikanischen Union. Hoffentlich misslingt ihr das.