Zum Thema: Die grössten Risiken für die Börsen

Sorgen um die globale Konjunktur

In praktisch allen Teilen der Welt zeichnet sich eine Verlangsamung des Wachstums ab. Die USA ist aber weit von einer Rezession entfernt.

Sie kamen schleichend, doch auf einmal waren sie wieder da und wirbelten die Märkte auf: die Sorgen um die globale Konjunktur. Noch im Frühling überwog der Optimismus. Die Eurozone war endlich wieder auf Wachstumskurs und die US-Wirtschaft erholte sich vom strengen Winter.

Doch in den letzten zwei Monaten drehte der Wind. Die erhofften Impulse aus den Schwellenländern blieben aus und die Verunsicherung wegen der Ukrainekrise brachte die Eurozone an den Rand einer weiteren Rezession. Deutschlands Wirtschaft ist im zweiten Quartal offiziell geschrumpft und im September ist der Einkaufsmanagerindex (Purchasing Managers Index, PMI) der Industrie zum ersten Mal seit Juni 2013 unter die kritische Marke von 50 gefallen, die Wachstum von Kontraktion trennt.

Doch Deutschland und die Eurozone sind keine Einzelfälle: Auch fast überall sonst zeichnet sich eine Verlangsamung ab. Fünfzehn der zwanzig wichtigsten Industrie-PMI haben sich im September verschlechtert. Auch andere Indikatoren zum Geschäftsklima sind eingeknickt und die Konsumentenstimmung trübt sich in den meisten Ländern ein. Der Internationale Währungsfonds (IWF) revidierte die Welt-Wachstumsprognosen für dieses Jahr von 3,7% auf 3,3% und jene für 2015 um 0,2 Prozentpunkte auf 3,8%. Laut IWF wird die Wirtschaft der Eurozone dieses Jahr nur 0,8% wachsen.

Gute Konjunkturdaten liefern derzeit nur noch die USA und Grossbritannien, auch wenn dort das Momentum ebenfalls nachlässt. Mit Blick auf die US-Konjunktur halten denn auch viele Beobachter den Kurssturz an den Börsen für übertrieben. Die Industrieproduktion befindet sich auf Allzeithoch und die Anträge auf Arbeitslosengeld sind auf das tiefste Niveau seit 2000 gefallen. Am Häusermarkt läuft die Erholung unbeeindruckt weiter. Die Frage ist deshalb, wie stark die globale Abkühlung auch der US-Wirtschaft den Schwung nimmt. Immun dagegen sind die USA in einer globalisierten Wirtschaft bestimmt nicht.

Doch die tiefen Ölpreise – ebenfalls ein Symptom der Sorgen um die Weltkonjunktur –  und die niedrigen Zinsen wirken sich zuerst einmal positiv auf die Nachfrage der US-Konsumenten aus. Die optimistische Beurteilung hat nur einen Haken: Die letzte US-Rezession 2009 folgte auf einen Schock im Finanzsystem. Und so etwas ist unmöglich vorherzusagen.




Leser-Kommentare

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.