Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Nonvaleur
Dossiers

South Sea Bubble

Mit Aktien der South Sea Company wurden 1720 kleine Vermögen gemacht – aus grossen. Gewinner gab es auch, wie immer diejenigen, die den Braten früh genug rochen und ausstiegen. Doch der Reihe nach. 1711 wurde die Gesellschaft gegründet. Zunächst übernahm sie 10 Mio. £ an Schulden der englischen Regierung und wandelte sie in eigene Aktien um. Im Gegenzug erhielt die South Sea Company von London jährlich Zins sowie das Handelsmonopol mit den spanischen Kolonien in Südamerika. Der Überseehandel war stets im Verlust, doch das Finanzgeschäft rentierte.

1719 kaufte die South Sea Company weitere Schuldtitel des Staats und konvertierte sie in eigene Aktien. Auf der anderen Seite des Kanals sorgte just damals der schottische Financier John Law mit seiner Mississippi Company für ein Spekulationsfieber; ausgehend von Paris erlebte Kontinentaleuropa seinen ersten Bullenmarkt. In diesem Jahr griff der Hype nach London über. Die South Sea Company schlug vor, die Schulden der Krone zu privatisieren und dafür eigene Aktien zu begeben. Das ganze «South Sea Scheme» war mit Absicht konfus, sonst hätte niemand die Aktien je gekauft. Vereinfacht ausgedrückt: je höher der Kurs von South Sea, desto mehr Profit für die Company. Zunächst hatten alle Beteiligten Interesse an einem aufgeblähten Preis: die Regierung, die Inhaber zur Konversion vorgesehener staatlicher Rentenpapiere, die alten und die neuen Aktionäre der South Sea Company.

Anfang 1720 galten 128 £. Am 21. Januar segnete das Parlament den Deal ab – der Kurs war auf 187 £ avanciert, einen Monat später war die Anlegerfantasie auf 300 £ hochmanipuliert worden. Zu diesem Preis, dem Dreifachen des Nominalwerts, wurden die Aktien am 14. April erstmals dem Publikum angeboten. Von König George I. bis zur Hausfrau hamsterten an den insgesamt vier Subskriptionen fast alle, die etwas Geld erübrigen konnten. Gegen Ende Juni erreichten South Sea mit 1050 £ das Höchst.

In dieser Phase – zeitlos typisch – stiegen viele gewiefte Investoren aus, namentlich niederländische, daneben auch die alte Republik Bern, die einen schönen Gewinn repatriierte. Im August platzte die South-Sea-Blase; die Notiz sank auf 850 £, weil zuvor die Kurse anderer Londoner Bubble-Gesellschaften eingebrochen waren und in Positionen in South Sea Gewinn mitgenommen werden musste. Gegen Ende des Sommers hatte die Gesellschaft keine Mittel mehr, um den Kurs zu stützen. Im September brach der «Widerstand» von 600 £ (zu diesem Niveau hatten viele Banken gegen South Sea Kredit gewährt), und der Kurs fiel auf das Tiefst von 130 £.

Unzählige Anleger waren ruiniert, das Volk zürnte. Es folgten Untersuchungen, und die Spekulation wurde reguliert: Das Parlament verbot Short-Verkäufe, Futures und Optionen. Das Misstrauen gegen Aktiengesellschaften war gross, und der Fortschritt des Finanzkapitalismus verzögerte sich. Some things never change.