Die Behauptung, in der Schweiz finde ein offener oder zumindest versteckter Sozialabbau statt, lässt sich nicht ausrotten – obwohl sie nachweislich falsch ist. Das gilt auch im internationalen Vergleich. Gemessen in so genannten KKS –Kaufkraftstandards, die Preisniveauunterschiede zwischen den Ländern eliminieren – nehmen die Sozialausgaben pro Kopf 2016 in der Schweiz im EU-Vergleich mit 11‘105 eine Spitzenposition ein (höher sind die Leistungen lediglich in Luxemburg mit 14‘231). Die grossen Länder sowie der EU-Durchschnitt liegen deutlich unter dem Schweizer Wert. Auch bezüglich des Wachstums liegt die Schweiz ganz vorne: Die Ausgaben für Sozialleistungen sind seit 1998 fast 84% gestiegen. Ein höheres Wachstum registrieren nur Finnland (+105,6%) sowie Rumänien (+292,7%), das allerdings von sehr weit unten kommt. Werden die Sozialleistungen ins Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt (BIP) gesetzt, nimmt die Schweiz keinen Spitzenplatz ein. Das ist allerdings kein Zeichen sozialer Rückständigkeit, sondern spiegelt in erster Linie das ausgesprochen hohe BIP der Schweiz. Zudem ist der Anteil der Sozialleistungen am BIP in der Schweiz seit 2010 wachsend; er erreichte 2016 mit 25,8% einen Höchstwert. Im EU-Durchschnitt hingegen ist der Anteil der Sozialleistungen seit 2014 sinkend. Er betrug 2016 knapp 28%. Den Höchstwert erreichte Frankreich mit 32,1%.