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Spanisches Kapital und Schweizer Konstruktion

Zu schade, dass der letzte Hispano Suiza 1938 die Fabrik verliess: Der Name stünde heute neben Porsche oder Ferrari – in der Spitzenklasse luxuriöser Sportwagen. Spanier wie Schweizer wären stolz darauf. Es war 1904, als spanisches Kapital und schweizerische Ingenieurskunst zusammenfanden: Der Genfer Techniker Marc Birkigt (1878–1953) und der in ­Barcelona ansässige Geschäftsmann Damià Mateu gründeten La Hispano Suiza Fábrica de Automóviles. In früheren Anläufen war Birkigt gescheitert, doch nun stellte sich der Erfolg rasch ein. Der Genfer Autosalon von 1906 brachte den Durchbruch für die Marke Hispano Suiza und ihren Chefkonstrukteur Marc Birkigt. Spaniens junger König Alfonso XIII., ein Autonarr, war der prominenteste Kunde (und auch Aktionär). In den Jahren 1910 bis 1916 produzierte Hispano Suiza sogar einen Serientyp mit dem Namen des Monarchen.

Aus dieser Zeit stammt die abgebildete Aktie. Die elegante Dame ist ein Porträt der italienischen Schauspielerin Teresa Mariani, gezeichnet vom renommierten katalanischen Jugendstilkünstler Ramon Casas. Übrigens hatte Casas vor der ­Jahrhundertwende zusammen mit drei anderen Künstlern in ­Barcelona das berühmte Café Els Quatre Gats eröffnet, das unterdessen jeder Reiseführer zum Besuch empfiehlt.

Vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs begann Hispano Suiza auch in der Nähe von Paris zu fertigen. Frankreich war der grössere Markt als Spanien; was vermögende und extravagante Kundschaft für rassige Automobile anbelangte, war Paris «the place to be». Doch mit Kriegsbeginn musste das französische Werk auf Flugzeugmotoren für die Armée de l’Air umstellen; der Tüftler Birkigt entwarf welche. Als ab 1918 wieder Autos vom Band rollten, verwendete er diese Motortechnik. Von nun an zierte ein eleganter Storch als ­Kühlerfigur die flotten Flitzer – die Staffel des französischen ­Jagdfliegerhelden Georges Guynemer war die Escadrille des Cigognes, mit einem roten Storch als ­Bemalung des Flugzeugrumpfs.

Birkigt verliess Spanien, als 1936 der Bürgerkrieg ausbrach; sein Fan Alfonso hatte sich schon 1931 verabschiedet, als die Republik ausgerufen wurde. Der letzte Hispano Suiza wurde vom französischen Betrieb 1938 ausgeliefert. Fortan konzentrierte sich die Fabrik auf Flugzeugtechnik und ging später im Luft- und Raumfahrtkonzern Snecma bzw. Safran auf. Ein Werk im spanischen Guadalajara befasste sich ebenfalls mit Flugzeugbau und gelangte über den Casa-Konzern unter die Flügel von Airbus. Birkigt gründete 1938 in Genf Hispano-Suiza (Suisse), die sich auf Wehrtechnik spezialisierte; das Unternehmen geriet in den Sechzigerjahren mit der Beschaffung des Schützenpanzers HS 30 durch die deutsche Bundeswehr in die Schlagzeilen.

Was Albert Einstein, Greta Garbo und Pablo Picasso recht war, müsste Menschen mit Sinn für Prestige auch heute billig (nicht im pekuniären Sinn) sein: ein Hispano Suiza in der ­Garage. Rettung naht: Der Storch steht vor der Wiedergeburt. Der brandneue Hispano Suiza Maguari soll bald anrollen.

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