Unternehmen / Gesundheit

Sparks braucht neuen Zugang zu Investoren

Einige KMU zeigen Interesse an einem Börsengang. Viele Anleger dürfen bei Aktien mit geringer Marktkapitalisierung aber gar nicht einsteigen.

Mit dem Sparks-Segment hat die Schweizer Börse SIX eine Möglichkeit für kleinere Börsengänge geschaffen. Derzeit sind zwar keine bevorstehenden Initial Public Offerings (IPO) angekündigt, aber die SIX ist mit Interessenten im Gespräch, wie Sprecher Julian Chan auf Anfrage von «Finanz und Wirtschaft» bestätigt.

Die Börsenbetreiberin gibt keine Prognose ab, wie viele KMU den Gang ans neue Segment in nächster Zeit wagen könnten. Zwanzig Vertreter von dreizehn Unternehmen haben bereits die von der SIX angebotene IPO Academy besucht (vgl. Tabelle mit namentlich bekannten). Ab diesen Herbst wird der Kurs erneut durchgeführt, der die Manager auf die Anforderungen eines Börsengangs vorbereiten soll. «Wir haben bereits mehrere Bewerbungen von Unternehmen aus verschiedenen Branchen erhalten», sagt Chan.

Unter den Absolventen der ersten IPO Academy waren der CEO von Tradeplus24, Ben James, und sein Chief Procurement Officer Matthias Kribbel. Das Unternehmen verbrieft Debitoren von Kunden und bietet ihnen Kreditlinien an. «Wir haben einen hohen Kapitalbedarf», sagt James. Tradeplus24 muss für die Kredite neben Fremdkapital, das von Banken kommt, eigenes Kapital zur Verfügung stellen. Die junge Gesellschaft hat bereits nach Grossbritannien, den Niederlanden und Australien expandiert und will ihre selbst entwickelte Software zur Berechnung der Kreditlinien künftig auch Drittanbietern auslizenzieren.

Solides Reporting nötig

«Ein Börsengang wäre für uns interessant», sagt James, «als Nächstes planen wir aber für Spätsommer eine Series-B-Finanzierungsrunde.» Damit will er 50 Mio. Fr. beschaffen. Dass sein Unternehmen in der Finanzbranche angesiedelt ist, sieht er als Vorteil für einen allfälligen späteren Börsengang.

«Einerseits verfügt die Schweiz über einen starken Finanzplatz mit dem entsprechenden Know-how der Investoren», erklärt James. Andererseits habe ihm die IPO Academy bewusst gemacht, dass das Unternehmen in Bezug auf Buchhaltung und andere Unternehmensdaten seit der Gründung schon viele Anforderungen erfülle, die für den Börsengang einzuhalten seien.

IPO für Wachstumssprung

Auch der CEO von Abionic, Nicolas Durand, bestätigt das Interesse an einem Börsengang. «Zurzeit prüfen wir diese Option.» Das Unternehmen ist mit seinen medizinischen Tests an der Schnittstelle zwischen Medtech und Biotech. Abionic führt ihr mobiles Analysegerät und erste Tests seit 2020 in bisher rund vierzig Ländern ein. Der Umsatz wird nicht bekannt gegeben, aber Durand will ihn jedes Jahr verdoppeln oder verdreifachen. «Wir glauben, ein Börsengang müsste ein sehr grosses kommerzielles Wachstum ermöglichen», erklärt der CEO. Deshalb wäre es für ein IPO aktuell noch ein bisschen zu früh.

Sparks sei eine ausgezeichnete Initiative und entspreche einem realen Bedürfnis. «Für uns ist heute allerdings noch unklar, welche Investoren an den künftigen IPO teilnehmen werden», sagt Durand. Ben James von Tradeplus24 geht es ähnlich.

Fragen zur Investorenseite

Der Leiter des Kapitalmarktteams der Dynamics Group, Edwin van der Geest, sieht bei Sparks auf der Investorenseite ebenfalls noch offene Fragen. Er hat diverse Börsengänge an der SIX begleitet, auch von kleineren Unternehmen. Gemäss dem Sparks-Reglement könnte theoretisch bereits ein Unternehmen mit lediglich etwas mehr als 15 Mio. Fr. Börsenwert zu einer Publikumsgesellschaft werden.

Realistischer dürften IPO von deutlich grösseren Gesellschaften sein, bei vielen wollen die Eigentümer aber nur einen Teil der Aktien an die Börse bringen. Brächte ein Unternehmen, das mit 150 Mio. Fr. bewertet wird, ein Drittel der Papiere in den Handel, betrüge der Free Float 50 Mio. Fr.

Mit weniger als 200 Mio. Fr. ist’s schwierig

Bei traditionellen IPO verlangen professionelle Asset-Manager aber Tranchen von mindestens 5 bis 10 Mio. Fr., sonst lohnt sich der Analyseaufwand nicht. «Selbst viele Fonds, die auf kleinkapitalisierte Werte spezialisiert sind, könnten aufgrund ihrer Anlageregeln nicht an Sparks-Börsengängen teilnehmen», sagt Van der Geest. Zudem müssen die Asset-Manager Aktienpositionen in vernünftiger Zeit liquidieren können, wobei der Anteil am gehandelten Tagesvolumen eines Titels 15 oder 20% nicht übersteigen darf. «Selbst wenn Sie Aktien für nur 2 Mio. Fr. gekauft haben, sind solche Vorgaben bei einem Free Float von 50 Mio. kaum einzuhalten.» Alles, was kleiner als 200 oder gar 300 Mio. Fr. sei, sei im Umfeld institutioneller Investoren schwierig.

Für den Kapitalmarktspezialisten ist deshalb klar: «Für Sparks sollten Privatanleger direkt angesprochen werden.» Es gebe durchaus einen Markt, ist er überzeugt. «Man müsste aber ein Ökosystem schaffen für solche Investoren.» Sie müssten sich gezielt informieren können, was im traditionellen System ebenfalls nicht leicht ist, da kaum Bankanalysten über so kleine Unternehmen schreiben. Van der Geest schwebt ein Portal vor, auf dem Dritte und die Gesellschaften selbst Berichte publizieren und wo Privatinvestoren qualitative Einschätzungen abgeben können.