Märkte / Aktien

Sparks eignet sich nicht für alle Branchen gleich gut

Professionelle Start-up-Investoren sagen, für welche Unternehmen sich Sparks eignet und was es bei Engagements zu beachten gilt.

Seit Oktober können sich kleine und mittlere Unternehmen am neu geschaffenen Segment Sparks der Schweizer Börse SIX kotieren lassen. Es soll Gesellschaften ein Initial Public Offering (IPO) ermöglichen, die nur etwas mehr als 15% ihrer Aktien in den freien Handel geben wollen oder bei denen der Wert dieser Titel lediglich über 15 Mio. Fr. liegt. Sparks stellt zwar hohe Anforderungen, was Offenlegung und Berichterstattung betrifft, legt die Latte für weitere Kriterien aber niedriger als für den Gang ans Haupttableau der SIX.

Bisher hat nur eine Gesellschaft den Gang ans Sparks gewagt. Xlife Sciences (XLS 28.20 -2.76%), ein Inkubator von medizinischen Projekten in sehr frühen Stadien, die seit Ende 2019 schon in München kotiert war, ist am 11. Februar an die SIX gewechselt.

Dreizehn Kandidaten an der Sparks IPO Academy

Gemäss der SIX ist das Interesse am neuen Segment gross. «Wir haben viele Anfragen von KMU und ihren Eigentümern erhalten», schreibt Sprecher Julian Chan auf Anfrage. Die SIX hat im November eine Sparks IPO Academy durchgeführt. Chan betont, die Teilnehmerzahl sei bewusst auf zwanzig Personen aus dreizehn Unternehmen beschränkt gewesen. Ein zweiter Lehrgang, mit dem Führungskräfte auf die Anforderungen des Börsengangs und des Managements eines öffentlich gehandelten Unternehmens vorbereitet würden, finde kommenden Herbst statt.

Sieben der Unternehmen machen ihre Teilnahme am Kurs öffentlich. Drei sind im medizinischen Bereich tätig (Abionic, Aleva und Securecell), zwei bieten Immobiliendienstleistungen an (Immozins und MCI Group), eines Finanzdienstleistungen (Tradeplus24), und eines stellt Drohnen her (Flyability).

Medtech und Drohnen

Abionic, die eine medizinische Diagnosetechnologie entwickelt hat, und Flyability, deren Drohnen unter anderem Inspektionsflüge in Röhren ausführen können, befinden sich im Portefeuille der Start-up-Investmentgesellschaft Verve Ventures.

Für ihren Vertreter Eugen Stamm ist es kein Zufall, dass die Unternehmen aus den Bereichen Medtech und Drohnen kommen. «Medtech ist in der Schweiz stark verwurzelt, wird von den Anlegern verstanden und wegen der defensiven Dynamik geschätzt», erklärt er. Auch Drohnen seien eine «Zukunftsindustrie, die faszinierend und anschaulich ist». Die Schweiz besitze hier ebenfalls sehr viel Know-how. «In den vergangenen Jahren sind Hidden Champions entstanden.»

Cleantech, Robotik und Maschinenbau

Stamm glaubt, Sparks könne für weitere Verve-Portfoliogesellschaften aus den Bereichen Cleantech, Medtech, Robotik und Maschinenbau eine gute Option sein. Nicht zuletzt deshalb, weil für diese Branchen das Anlegerinteresse hierzulande gross sein dürfte.

Schwieriger für eine Kotierung bei Sparks oder generell in der Schweiz werde es wohl für Biotech-Unternehmen und Softwaredienstleister, auch wenn Schweizer Biotechs oft Weltklasse seien und der Business-to-Business-Softwarebereich ein «unglaublich attraktives Anlageuniversum für Risikokapitalinvestoren» sei. «In diesen Bereichen scheinen das Verständnis und die Investitionsfreudigkeit andernorts deutlich höher zu sein als unter Schweizer Investoren», sagt Stamm.

Deshalb werden viele Schweizer Unternehmen wohl weiterhin eine Kotierung im Ausland anstreben. Biotechs etwa zieht es an die Nasdaq, wo bereits Hunderte Branchenvertreter gelistet sind und spezialisierte Investoren sowie Analysten warten. Allein im vergangenen Jahr sind fünf hiesige Biotechs sowie die auf Geninformatik spezialisierte Sophia Genetics an die Nasdaq gegangen. Das letzte Biotech-IPO an der SIX fand Mitte 2018 statt (Polyphor).

Langer Atem nötig

Markus Hosang, General Partners bei BioMedPartners, einer Basler Life Sciences Wagniskapital Firma, welche mehrere geschlossene Fonds für europäische Biotech- und Medizintechnik Gesellschaften aufgesetzt hat, würde es sehr begrüssen, wenn es nach mehreren Jahren wieder Biotech-Aktivität an der Schweizer Börse gäbe. Eine «seiner» Portfoliogesellschaften, die Aleva Neurotherapeutics in Lausanne, war ebenfalls am Sparks-Kurs dabei. Sie ist aber kein Biotech-Unternehmen, sondern eine Medtech Firma mit einem Produkt im Bereich Parkinsons Krankheit.

Anlegern in Start-ups rät Hosang grundsätzlich, sie sollten sich bewusst sein, dass das Rückschlagsrisiko insgesamt noch grösser ist als bei etablierteren (börsenkotierten) Unternehmen. Engagements sollten deshalb Teil eines viel breiteren Portfolios sein. Gewisse Kenntnisse vom Geschäft, in das man investiert, sollten zudem vorhanden sein. Nur selten käme es ausserdem schon kurz nach dem Börsengang zu grossen Kursgewinnen. «Für wirklich grosse Wertschöpfung braucht es, neben einer guten Portion Risikobereitschaft und Glück, meistens auch einen langen Atem», mahnt Hosang.