Meinungen

Spekulativ

Bitcoin wurde schon totgesagt, lebt aber weiter – und wie. Doch als Investition taugt die Cyberwährung noch immer nicht. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Nach himmelhoch jauchzend kommt bestimmt wieder zu Tode betrübt.»

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Dieses Zitat aus Goethes Trauerspiel «Egmont» beschreibt das Wechselbad der Gefühle der Bitcoin-Anleger. Die Kapriolen der Cyberwährung in den vergangenen Tagen und Wochen sind beeindruckend.  Der Bitcoin-Kurs stieg von April bis vergangenen Mittwoch von 4000 $ auf annähernd 14 000 $. Wie in den guten alten Zeiten.

Wie labil der Handel mit Kryptowährungen immer noch ist, wurde spätestens am Mittwoch klar, als Bitcoin in weniger als einer Stunde unter 12 000 $ rutschte. Die klassischen Daytrader, sofern sie auf die richtige Seite spekuliert hatten, werden daran ihre helle Freude gehabt haben. Andere wohl weniger.

Was ist denn nun mit Bitcoin (Bitcoin 10168.41 -0.28%) & Co? Lohnt es sich, nach jedem Rückschlag einzusteigen, oder besteht die Gefahr, dass der nächste Rückschlag den Anfang vom Ende einläutet? Um es vorwegzunehmen: Die Investition in Bitcoin und andere Cyberwährungen wie Ethereum und Ripple ist eine rein spekulative Wette. Die Gefahr, dass der Anfang vom Ende eingeläutet wird, besteht, auch wenn das im Moment etwas in den Hintergrund gerückt ist. Fundamentaldaten im Sinne von Aktieninvestitionen gibt es für Cyberwährungen keine, sondern nur Meinungen und Trends.

Dass Facebook (FB 188.14 0.03%) mit Libra im Kryptowährungsspiel mitmischt, zeigt, dass auch die Tech-Giganten mit am Bitcoin-Tisch sitzen wollen. Eine Erfolgsgarantie für Cyberwährungen ist das aber nicht. Wer mit Bitcoin spekulieren will, soll spekulieren. Doch eines sollte jedem bewusst sein: Nach himmelhoch jauchzend kommt bestimmt wieder zu Tode betrübt.

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