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Grossbanken bringen Blockchain-Plattform an den Start

Das Konsortium We.trade will die internationale Handelsfinanzierung auf ein neues Fundament stellen. Mit dabei ist die Schweizer Grossbank UBS.

Valentin Ade

Eine Vereinigung von zwölf Grossbanken will mit einer Blockchain-Plattform den internationalen Handel umkrempeln. Das Konsortium namens We.trade hat heute bekannt gegeben, dass zu seinen bestehenden neun Finanzhäusern (Deutsche Bank (DBK 9.781 1.68%), HSBC (HSBA 624.1 -0.11%), KBC, Natixis, Nordea (NDA SE 61.7 -4.42%), Rabobank, Santander, Société Générale und UniCredit) die österreichische Erste Group, die spanische Caixa Bank und die Schweizer Grossbank UBS (UBSG 14.15 0.14%) stossen.

«In den kommenden Monaten werden wir die Plattform produktiv an den Markt bringen», sagt Beat Bannwart, bei UBS zuständig für das Projekt. UBS war wie Erste und Caixa zuvor im Konsortium Batavia engagiert, das wie We.trade mithilfe der IBM-Blockchain-Technologie namens Hyperledger an einer Plattform für den internationalen Handel gearbeitet hat. «Die Projekte werden somit zusammengeführt», sagt Bannwart.

Potenzial der Blockchain

Im grenzüberschreitenden Handel mit einem jährlichen Volumen von weltweit rund 8 Bio. $. wird der Blockchain das grösste Potenzial zugesprochen: Viele Teilnehmer müssen sich hier abstimmen, verschiedene Systeme miteinander kommunizieren. Die Prozesse sind wenig digitalisiert, langwierig und kostspielig, mit viel Papier und Handarbeit verbunden.

Die Blockchain hingegen ist ein digitales Register, das als sehr sicher gilt und für alle Transaktionsteilnehmer einsehbar ist. Waren können von Auslieferung bis Ankunft verfolgt, Zahlungen automatisch nach vordefinierten Ereignissen freigegeben werden. Beim ersten Testlauf von Batavia wurden im April eine Transaktion mit Audi-Autos von Deutschland nach Spanien sowie Textilmaterial von Österreich nach Spanien abgewickelt.

Verbindung mit anderen Projekten

Jetzt geht es laut Bannwart darum, dass jede der zwölf Banken im Konsortium ihren Unternehmenskunden die Vorteile der We.trade-Plattform, die zurzeit noch in einer geschlossenen Gruppe angewendet wird, aufzuzeigen.

In der Schweiz wird laut Bannwart in einer ersten Phase eine vierstellige Anzahl Unternehmen anvisiert, die die Plattform nutzen. Die Fortschritte seien jedoch abhängig davon, mit welcher Geschwindigkeit neue Banken und grosse Unternehmen zum Netzwerk hinzukommen. UBS wende sich dabei an Unternehmenskunden aus produzierenden Branchen.

Die Plattform soll für alle Interessierten geöffnet werden, weitere Banken können sich anschliessen, und auch Konkurrenzprojekte sollen angeknüpft werden. Denn We.trade ist nicht die einzige Blockchain-Plattform, die den internationalen Handel auf ein neues Fundament stellen will. So arbeiten Banken und Technologieunternehmen in den Konsortien TradeIX und R3 an ähnlichen Projekten.

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