Meinungen

Spiel mit dem Feuer

Statt mit einem Handelskrieg zu liebäugeln, sollten die USA die Exportchancen nach China besser nutzen. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Manfred Rösch.

«Gegen China zu sticheln, wird nicht helfen, Amerika wieder gross zu machen.»

Das Timing könnte stümperhafter nicht sein. Die USA brauchen China dringend, um Nordkorea im Zaum zu halten – und just in diesem heiklen Moment lässt Präsident Donald Trump untersuchen, ob Chinas Handelspraktiken «unfair» sind, besonders was den Umgang mit geistigem Eigentum angeht.

Wahr ist, dass die Chinesen unverfroren für Technologietransfer sorgen. Wahr ist aber auch, dass dies nicht die Ursache ist für den Niedergang mancher Sektoren der amerikanischen Industrie. Wahr ist vor allem, dass die amerikanische Politik die Schuld dafür gerne im Ausland verortet, statt dem an ein überlebtes Wachstumsmodell gewöhnten Wahlvolk Klartext zuzumuten: Amerika spart zu wenig und konsumiert zu viel. Davon wiederum lebt Chinas Exportindustrie.

Gegen China zu sticheln, wird nicht helfen, Amerika wieder gross zu machen. Peking hat auf Trumps jüngsten Schnitzer postwendend verkündet, notfalls Gegenmassnahmen zu ergreifen. Das kann heissen: Einfuhrzölle auf amerikanische Güter, Zurückhaltung im Kauf von US-Treasuries.

Sollten die USA die Zufuhr chinesischer Waren erschweren, dürfte sich das Aussenhandelsdefizit auf andere Länder verlagern, die aber teurer fertigen als China; bezahlen würde der amerikanische Konsument.

Die Globalisierung teilweise rückgängig machen zu wollen, löst nirgendwo Probleme, auch nicht in den USA, sondern schafft höchstens neue. Der Chinakenner und Yale-Dozent Stephen Roach predigt schon lange einen konstruktiven Ansatz: Die Umstellung von Chinas Wirtschaftsmodell vom Export auf den Binnenkonsum nützen, um die amerikanische Exportwirtschaft zu beleben. China ist, nach Kanada und Mexiko, Amerikas drittgrösster und zugleich am raschesten wachsender Exportmarkt. Ob Trump das weiss?

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