Im Dezember werden es zwei Jahrzehnte her sein, dass die Portugiesen Macau verlassen haben – nach 442 Jahren. Dieses Anhängsel am Perlflussdelta war der letzte Rest des portugiesischen Kolonialreichs. Die Fassade der abgebrannten Jesuitenkirche São Paulo zeugt vom lusitanischen Erbe; das «Grand Lisboa» im Hintergrund dem Namen nach ebenfalls: ein Hotel mit Casino. Heute ist Macau die Spielhölle Chinas. Die Sonderverwaltungszone lebt von Baccara, Poker, Black Jack. Im Gegensatz zu Hongkong herrscht in Macau politisch Friedhofsruhe. Lissabon hatte schon vor 1999 Chinas Oberherrschaft anerkannt. Die nur gut 640 000 Leute in Macau sind nicht so lokalpatriotisch wie die 7,4 Mio. im benachbarten Hongkong. Ho Iat Seng, Chinas Verwalter in Macau, strich unlängst an die Adresse Taiwans heraus, die Stadt sei ein Beispiel für das Erfolgsmodell «Ein Land, zwei Systeme». Sich an die kurze Leine legen zu lassen wie Macau, ist für Taiwan allerdings eher ein Gegenbeispiel. 1544 schrieb ein Seemann (ein Portugiese, was sonst) beim Anblick Taiwans erstmals von der «Ilha Formosa», der schönen Insel. Dort wie auch in Hongkong können sich die meisten Leute Schöneres vorstellen als Unterwerfung unter die roten Mandarine. (Bild: Keystone)