Meinungen

Spitzenwerte am Arbeitsmarkt

Es gab in der Schweiz noch nie so viele Erwerbstätige wie im vierten Quartal 2016. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Peter Morf.

«Allen Befürchtungen zum Trotz konnten sowohl die Krise von 2008 wie auch der Frankenschock mit vergleichsweise geringen Problemen überstanden werden. »

Nein, die Arbeit geht uns nicht aus – und nein, in der Schweiz gibt es keine grossen und wachsenden Heere von Arbeitslosen. Das zeigen die Zahlen der Arbeitskräfteerhebung zum vierten Quartal 2016. Noch nie wurden in der Schweiz so viele Erwerbstätige gezählt: fast 5,1 Mio. Menschen waren in Lohn und Brot. Damit sind rund 16% mehr erwerbstätig als 2007, vor der Finanz- und Wirtschaftskrise. Dieser Zuwachs ist erstaunlich.

Ebenso wie die Tatsache, dass rund 30% der Erwerbstätigen Ausländer sind. Dennoch ist die Erwerblosenquote (gemäss Definition des Internationalen Arbeitsamts) im Berichtsquartal im Vorjahresvergleich von 4,7 auf 4,3% gesunken. In der EU kamen nur die Tschechische Republik (3,6%) und Deutschland (3,8%) auf niedrigere Werte. Der EU-Durchschnitt erreichte 8,2%. Den höchsten Wert weist nach wie vor Griechenland mit 22,4% auf. Die Arbeitslosenquote gemäss schweizerischer Definition – sie ist enger und genauer – erreichte im Januar 3,7%, nach 3,5% im Dezember 2016. Die Zunahme ist allerdings saisonbedingt; unter Ausschluss dieses Effekts verharrte die Quote auf 3,3%.

Rekordverdächtig ist auch die Erwerbsquote – letztlich ein zentraler Indikator der Wirtschaftskraft eines Landes. Sie betrug im vierten Quartal 2016 für die über 15-Jährigen 69,5% und für die 15- bis 64-Jährigen gar 85,1%. Die wichtigsten Konkurrenzländer der Schweiz weisen durchweg deutlich niedrigere Raten auf. Aus diesem Wert allerdings wird auch klar, dass das Arbeitskräftepotenzial im Land weitgehend ausgeschöpft ist. Daran wird auch die oft angeführte Fachkräfteinitiative, die den Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften eben aus dem inländischen Potenzial decken will, nichts ändern können.

Kaum ein anderes westliches Industrieland weist einen derart robusten Arbeitsmarkt auf wie die Schweiz. Allen Befürchtungen zum Trotz konnten sowohl die Krise von 2008 wie auch der Frankenschock vergleichsweise unbeschadet überstanden werden. Neben der hohen Wettbewerbskraft der Schweizer Wirtschaft ist ein wichtiger Grund dafür – darüber besteht weitgehend Einigkeit – die verhältnismässig freiheitliche Regelung des Arbeitsmarktes.

Daran gilt es festzuhalten; das ist der erste Schluss. Zweitens belegen die Zahlen die Bedeutung der Zuwanderung für den Arbeitsmarkt. Fast ein Drittel aller Erwerbstätigen sind Ausländer. Das Land ist auf Gedeih und Verderb auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Sehr viele Stellen blieben sonst offen.

Die Politik ist gut beraten, weiter auf liberale Lösungen zu setzen. Das allerdings ist nicht selbstverständlich: Die politische Linke will in ihrem Regulierungsdrang auch den Arbeitsmarkt in ein enges Korsett zwängen. Die Rechte sieht in der Zuwanderung aus dem Ausland die Wurzel aller Übel und will sie massiv einschränken. Sollten sich diese unliberalen Bestrebungen durchsetzen, dürfte die Schweiz mit der Zeit im Arbeitsmarkt nicht mehr mit Spitzenwerten brillieren. In Sachen Wohlstand auch nicht.