» Aryzta wird wohl wieder enttäuschen
» DKSH-Anleger müssen auf Thailand achten
» Lindt & Sprüngli hat US-Potenzial abzuklopfen
» Nestlé sucht frische Impulse
» Richemont will mit neuen Chefs wieder wachsen
» Sunrise stemmt sich gegen den Umsatzdruck

 

Aryzta wird wohl wieder enttäuschen

Die Ausgangslage 

An der Generalversammlung vom 13. Dezember haben die Aktionäre von Aryzta (ARYN 1.10 +1.01%), trotz einigem Widerstand, Gary McGann zum neuen Verwaltungsratspräsidenten gewählt. Der 66-jährige Ire löst den bald 80-jährigen Iren Denis Lucey ab.

Die Investoren erwarten von McGann, dass er dem Management um CEO Owen Killian Beine macht und den umstrittenen Picard-Deal überprüfen lässt und allenfalls rückgängig macht: Aryzta hat 2015 eine 49%-Beteiligung an dieser französischen Tiefkühlkette erworben und hat die Option, ab 2019 die restlichen 51% zu kaufen.

Das Szenario

Der Backwarenhersteller Aryzta hat häufig enttäuscht, wie mit dem organischen Umsatzrückgang im Quartal per Ende Oktober. Im Markt gibt es Hoffnungen auf einen Wechsel im Management. Sie dürften sich vorderhand kaum erfüllen. Der neue VR-Präsident wird CEO Killian eine gewisse Zeit einräumen, sich zu beweisen.

Die Einschätzung

Die Aktien haben sich vom Junitief erholt, sie gelten als günstig bewertet. Der Backwarenhersteller wird den Markt aber wieder enttäuschen, das Vertrauen in die Führung wird leiden. Unter den Umständen sind auch Hoffnungen auf eine Übernahme – als mögliche Käuferin wird gern die mexikanische Grupo Bimbo (4GM 3.20 +4.58%) genannt – wenig realistisch. Aryzta bleiben mit grossen Risiken behaftet. (AK)

 

DKSH-Anleger müssen auf Thailand achten

Die Ausgangslage 

Bisher hat DKSH (DKSH 79.35 -0.06%), entstanden 2002 aus der Fusion der Handelshäuser Diethelm Keller und SiberHegner, lediglich einen CEO gehabt: Jörg Wolle. Unter ihm wurde das Geschäftsmodell neu definiert und eine spezielle Kategorie geschaffen: Marktexpansionsdienstleistungen.

Nach der Generalversammlung am 23. März 2017 wird «Herr DKSH» das Amt als Konzernchef abgeben, an den 48-jährigen Deutschen Stefan Butz, der vom britischen Warenprüfer Intertek (IT1 49.60 +0.81%) kommt.

Das Szenario

Der Führungswechsel ist gut vorbereitet. Butz tritt schon am 1. Januar 2017 in die Konzernleitung von DKSH ein und erhält dabei die Verantwortung für Strategie, das Digitalgeschäft und Marketing Kommunikation. Zugleich übernimmt Martina Ludescher, zuständig für Unternehmensentwicklung, die neue Funktion des Chief Commercial Officers. Um die strategische Kontinuität zu gewährleisten, wird Wolle im März ausserdem Verwaltungsratspräsident.

Die Einschätzung

Die Wachablösung geht ohne Probleme über die Bühne, sie fällt aber in eine heikle Zeit. Der Tod von Thailands König gilt als einschneidendes Ereignis für das südostasiatische Land, mit rund 33% Umsatzanteil der wichtigste Markt von DKSH. Die weitere Entwicklung in Thailand birgt ein gewisses Risiko für die Aktien. (AK)

 

Lindt & Sprüngli hat US-Potenzial abzuklopfen

Die Ausgangslage

Der Schokoladehersteller steht seit Herbst unter neuer Leitung. Dieter Weisskopf hat das Steuer übernommen. Vorgänger Ernst Tanner beschränkt sich auf das VR-Präsidium. Weisskopf kennt Lindt bestens, ist er doch seit 1995 Mitglied der Geschäftsleitung.

Als Finanzchef organisierte er zuletzt die grösste Transaktion der Firmengeschichte, den Kauf von Russell Stover in den USA. Nach der Integration geht es nun darum, das Potenzial des Neuzugangs in den USA auszuschöpfen.

Das Szenario

Lindt & Sprüngli (LISN 99'800.00 +0.10%) ist durch die Milliardenübernahme zur Nummer drei in den USA avanciert. Die Profitabilität von Russell Stover lässt noch zu wünschen übrig, sollte sich aber nach der Sortimentsbereinigung verbessern. Ihre Spezialität, das Feiertagsgeschäft, wird mit dem Marketing-Know-how von Lindt an Schubkraft gewinnen. Die Wachstumsdelle in den USA dürfte so ausgebügelt werden.

Die Einschätzung

Die Aktien Lindt & Sprüngli haben im Jahresverlauf spürbar korrigiert. Das schwächere organische Wachstum stimmte die Investoren zurückhaltend. Auch litten die Papiere unter der Sektorrotation, die defensive Werte benachteiligte. Erst in den letzten Tagen setzten sie sich vom Jahrestief ab. Die Bewertung ist mit einem KGV 2017 von 27 (PS) und 31 (Na.) weiter stattlich. Qualität hat ihren Preis. (GA)

 

Nestlé sucht frische Impulse

Die Ausgangslage

Am 1. Januar beginnt Ulf Mark Schneider als CEO von Nestlé (NESN 114.96 +1.88%). Seit September ist der Deutsche in Vevey und lernt den Nahrungsmittelkonzern von innen kennen. Er ist erst der zweite Chef in der Geschichte von Nestlé, der von aussen kommt. Dreizehn Jahre lang war Schneider CEO von Fresenius (FRE 28.74 +0.74%).

Dank Übernahmen und aus eigener Kraft haben sich Umsatz und Gewinn des deutschen Gesundheitskonzerns in dieser Zeit vervielfacht. Schneider soll die Ausrichtung von Nestlé auf Gesundheit beschleunigen. Das Unternehmen mit Marken wie Cailler, Thomy und Nescafé braucht frische Impulse. Zum vierten Mal in Folge wird der Konzern dieses Jahr das Ziel verpassen, pro anno organisch 5 bis 6% zu wachsen.

Das Szenario

Schneider wird rasch Massnahmen ergreifen. Als Erstes wird er das Portfolio optimieren wollen. Das Geschäft mit Tiefkühlmalzeiten in Nordamerika dürfte verkauft werden. Gefrorene Pizzas und Fertiggerichte passen schlecht zum Image eines auf Gesundheit bedachten Konzerns. Gleiches gilt für die Beteiligung am Kosmetikunternehmen L’Oréal im Wert von 23 Mrd. Fr. Ein Verkauf ist wahrscheinlich. Er wird aber erst dann über die Bühne gehen, wenn Nestlé die Milliarden auch wieder strategisch investieren kann. Sinnvolle Ergänzungen wären beispielsweise das Gesundheitsgeschäft von Danone (BNp 53.58 +1.21%) und Abbott.

Die Einschätzung

Seit zwei Jahren kommen die Aktien von Nestlé kaum vom Fleck. Der Euphorie nach der Ernennung von Schneider im Sommer folgte die Ernüchterung nach enttäuschenden Quartalszahlen. Nestlés Kriegskasse ist prall gefüllt, und der neue CEO hat bewiesen, geschickt akquirieren und integrieren zu können. Zudem bringt er viel Erfahrung aus dem Gesundheitssektor mit. Die Mischung von Qualitätsaktie und Wachstumsfantasie klingt vielversprechend. (ML)

 

Richemont will mit neuen Chefs wieder wachsen  

Die Ausgangslage 

Angesichts des Gewinn- und Umsatzeinbruchs im laufenden Geschäftsjahr hat Hauptaktionär und Verwaltungsratspräsident Johann Rupert durchgegriffen. Der auf Ende März 2017 zurücktretende CEO Richard Lepeu wird nicht ersetzt.

Dafür schafft Rupert erstmals in der Richemont-Geschichte zwei Divisionenchefs: Der bisherige IWC-CEO Georges Kern wird neuer globaler Uhrenchef von Richemont (CFR 98.30 +1.47%), die übrigen Bereiche werden von Jérôme Lambert überwacht, dem bisherigen Leiter von Montblanc.

Das Szenario

Die organisatorische Neuorientierung bringt Richemont eine höhere Schlagkraft – vor allem im derzeit schwächelnden Uhrengeschäft. Die bisherige fast ausnahmslose Autonomie der «Maisons» genannten Uhrenmarken wird beschnitten. Kern, der bereits IWC in den vergangenen Jahren auf die Erfolgsspur gebracht hatte, wird verstärkt Synergien zwischen den verschiedenen Marken fördern.

Die Einschätzung

Die Reorganisation allein bringt Richemont nicht zurück auf die Erfolgsspur. Seit Jahresbeginn haben die Aktien wegen des schwächelnden Schweizer Uhrensektors 7% eingebüsst. Erst wenn sich das Umfeld für Luxusuhren bessert, werden sich die Veränderungen in den Geschäftszahlen niederschlagen und dem Aktienkurs Schub nach oben verleihen. (MEI)

 

Sunrise stemmt sich gegen den Umsatzdruck

Die Ausgangslage 

Seit April dieses Jahres hat der Telecomkonzern Sunrise mit Peter Kurer einen neuen Verwaltungsratspräsidenten, seit Mai mit Olaf Swantee einen neuen CEO. Auch sitzen zwei Vertreter des neuen Grossaktionärs Freenet (FNTN 23.75 +0.34%) (24,6%) seit 2016 im Verwaltungsrat.

Der deutsche Mobilfunkanbieter übernahm im Frühjahr die verbleibenden Anteile des früheren Eigners CVC Capital Partners. Der Finanzinvestor hatte Sunrise 2015 an die Börse gebracht.

Das Szenario

Sunrise-CEO Olaf Swantee will die Umsatzerosion stoppen – ein Problem, mit dem die gesamte Telecombranche kämpft. Bisher mit Erfolg: Das Minus betrug im dritten Quartal 1,9%, nach einem Rückgang von 3,2% von April bis Juni sowie von 8,8% im ersten Jahresviertel. An der starken Stellung von Swisscom (SCMN 520.00 -0.95%) kann Sunrise jedoch maximal rütteln, der Abstand ist gross. Investoren hoffen auf die progressive Dividendenpolitik, die zur Publikumsöffnung angekündigt wurde.

Die Einschätzung

Weitere operative Fortschritte würden dem Aktienkurs von Sunrise auf die Sprünge helfen, der seit über einem Jahr mehrheitlich unter dem Emissionspreis des Börsengangs liegt. Wie andere defensive Titel gerieten auch die Sunrise-Valoren ab November unter Druck. Die erwartete Dividendenrendite von mehr als 5% für 2016 ist jedoch attraktiv. (CC)