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Sri Mulyani Indrawati: Garantin für Indonesiens Stabilität

Die Finanzministerin des grössten südostasiatischen Landes verfolgt eine umsichtige Politik. Das mildert die Ansteckungsgefahr.

Diese Frau schreckt auch vor grössten Herausforderungen nicht zurück. Das beweist die indonesische Finanzministerin Sri Mulyani Indrawati dieser Tage einmal mehr, geht sie inmitten einer erhöhten Volatilität an den Schwellenländerbörsen doch mit einer umsichtigen Finanzpolitik gegen einen weiteren Wertzerfall der Rupiah vor.

Dass sie sich dabei notfalls auch mit mächtigen Männern im bevölkerungsmässig grössten islamischen Land der Welt anlegen würde, hat die parteilose Technokratin schon während der globalen Finanzkrise bewiesen. Aburizal Bakrie, dessen Familie eines der grössten Konglomerate Südostasiens kontrolliert, war als Vorsitzender der einflussreichen Golkar-Partei vor einem Jahrzehnt ebenso wie Sri Mulyani Regierungsmitglied. Indonesische Aktien kamen damals unter massiven Abgabedruck. Damit geriet auch die hochverschuldete Bakrie Group in finanzielle Schieflage.

Die Forderung Bakries, der Baisse mit einer temporären Schliessung der Börse einen Riegel zu schieben, stiess bei Sri Mulyani auf taube Ohren. Sie musste dafür einen hohen Preis bezahlen. Kurz nach dem gewonnenen Machtkampf trat sie infolge einer gegen sie geführten Kampagne wegen angeblicher Kompetenzüberschreitungen bei einer Bankenrettung zurück, und das wohl nicht ganz freiwillig.

Die mit einem Ökonomen verheiratete dreifache Mutter ist weich gefallen, wurde sie doch 2010 eine der drei Geschäftsführer der Weltbank in Washington. Die an der renommierten Universität von Illinois promovierte Ökonomin gilt als mögliche Nachfolgerin von Christine Lagarde an der Spitze des Internationalen Währungsfonds oder von Weltbankpräsident Jim Yong Kim.

Sechs Jahre nach ihrem Wechsel nach Washington wurde Sri Mulyani erneut oberste Kassenhüterin des mit 260 Mio. Einwohnern grössten südostasiatischen Landes. Angesichts der Turbulenen in den Schwellenländern ist sie als Finanzministerin umso mehr gefordert, als das hochverschuldete Indonesien vor zwei Jahrzehnten besonders hart von der asiatischen Finanzkrise getroffen wurde. Viele gebrannte Investoren verfolgen daher mit umso grösserer Nervosität, wie das Land jetzt mit der Herausforderung der steigenden US-Zinsen und des erstarkenden Dollars umgeht.

Indonesien weist heute wie damals ein erhebliches Leistungsbilanzdefizit auf, womit es mehr als andere asiatische Schwellenländer vom Zufluss von ausländischem Kapital abhängig ist. Indonesien wurde 2013 denn auch besonders stark vom Taper Tantrum erfasst, als die sich am fernen Horizont abzeichnende geldpolitische Wende der USA  einen massiven Kapitalabfluss auslöste.

Doch steht die indonesische Wirtschaft heute auf einem stabileren Fundament als 1997. Vergleiche mit krisengeschüttelten Ländern wie Argentinien oder der Türkei sind deshalb fehl am Platz. Garant für die Stabilität ist neben der Notenbank die als umsichtig bezeichnete Finanzpolitik Sri Mulyanis. Diese Meinung teilt auch die Ratingagentur Fitch, die Anfang September die Bonität der langfristigen ausländischen Verbindlichkeiten Indonesiens mit dem Hinweis auf die geringe Staatsverschuldung, die moderate Teuerung und das nachhaltig kräftige Wirtschaftswachstum mit der Note BBB als zufriedenstellend eingeschätzt hat.

Das konnte allerdings nicht verhindern, dass die Rupiah seit Anfang Jahr gegenüber dem Dollar rund 9% verloren hat. Das ist allerdings weit weniger als 1998, als die Währung über 30% eingebrochen ist, und 2013, als sie mehr als 20% an Aussenwert verloren hat. Im April stehen in Indonesien Parlaments- und Präsidentschaftswahlen an. Es besteht damit die Gefahr, dass die Regierung mit teuren Wahlgeschenken um die Gunst der Bürger buhlen könnte. Doch bleibt Sri Mulyani Garantin dafür, dass die wirtschaftliche Stabilität des Landes dabei nicht aufs Spiel gesetzt wird.

 

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