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SNB-Maechler: «Wechselkursänderung treibt Inflation schneller»

Laut Andréa Maechler, Direktoriumsmitglied der SNB, hat die Digitalisierung im Detailhandel dazu geführt, dass Preise schneller reagieren.

(AWP) Wechselkursveränderungen könnten sich laut SNB-Direktorin Andréa Maechler künftig schneller in der Inflation niederschlagen als bislang. In den letzten Jahren sei weltweit, aber auch in der Schweiz, ein Trend zu schnelleren Preisanpassungen zu beobachten gewesen.

Die Digitalisierung habe im Detailhandel dazu geführt, dass die Preise schneller auf wirtschaftliche Schocks wie eine starke Wechselkursaufwertung reagierten, sagte Maechler am Donnerstag an einem Geldmarkt-Apéro laut Redetext. Die Schweizerische Nationalbank analysiere daher die Auswirkungen der Digitalisierung genau, um deren Einfluss auf die Inflation besser zu ergründen und in der Lage zu sein, angemessen zu reagieren.

«Amazon-Effet» dämpft Teuerung

Die Digitalisierung beeinflusst die Preisentwicklung nicht nur über die schnelleren Anpassungen, wie die SNB-Direktorin ausführte. Denn der Online-Handel verstärke den Wettbewerb und erhöhe die Transparenz für die Konsumenten. Dieser «Amazon-Effekt» dürfte die Inflation zumindest vorübergehend senken, sagte Maechler.

Dieser Effekt dürfte laut Maechler neben anderen Faktoren dazu geführt haben, dass die Teuerung von Schweizer Waren und Dienstleistungen trotz einer soliden Wirtschaftsdynamik und einer kontinuierlichen Verbesserung des Arbeitsmarktes moderat geblieben sei.

Komplexere Marktbeobachtung

Die Entwicklung der Inflation ist eines von drei Gebieten, über deren Veränderungen und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Nationalbank Maechler referierte. Auch im Devisen- und im Geldmarkt sieht sich die SNB (SNBN 5540 1.84%) mit tiefgreifenden Veränderungen konfrontiert.

So habe sich im Devisenhandel die Frequenz der Handelsaktivität durch den Übergang zum rein elektronischen Handel erhöht, sagte Maechler. «Um den Märkten genau folgen zu können, ist es daher notwendig, über Kapazitäten für eine umfangreiche Datenverarbeitung zu verfügen.» Auch die zahlreichen neuen Handelsplattformen führten dazu, dass die Marktüberwachung komplexer geworden sei.

Beim Geldmarkt haben sich einerseits die Marktstrukturen verändert, andererseits steht die Ablösung des Referenzzinssatzes Libor bevor.

Die SNB sei aber auch ohne den Libor weiterhin in der Lage, das Zinsniveau zu beeinflussen, betonte Maechler. Sie mache dies beispielsweise derzeit mit dem Negativzins auf den Sichtguthaben, die Banken bei ihr hielten. Natürlich müsse das Zielband für den Dreimonats-Libor – heute ein festes Element der SNB-Geldpolitik – angepasst werden. Darüber werde die Nationalbank zu gegebener Zeit informieren.

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