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Deutschland wirft Teil seiner Lufthansa-Aktien auf den Markt

Der deutsche Staat will einen Teil seines im Zuge der Coronahilfsmassnahmen übernommenen Aktienpakets verkaufen.

(Reuters) Der deutsche Staat will schon in den nächsten Wochen einen Teil seines im Zuge der Corona-Hilfsmassnahmen übernommenen Aktienpakets an der Lufthansa (LHA 5.47 -1.1%) abstossen. «Vor dem Hintergrund der positiven Unternehmensentwicklung» werde der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) seinen Anteil von 20% um maximal ein Viertel reduzieren, teilte die Deutsche Finanzagentur mit. Der Verkauf sollte noch am Montag beginnen. Das drückte die Lufthansa-Aktie um gut drei Prozent auf 8,96 €. Doch selbst zu diesem Preis würde der Bund mit dem rettenden Einstieg in der Corona-Krise einen Gewinn erwirtschaften.

Der WSF hatte die Beteiligung von 20% als Teil einer milliardenschweren Stützungsaktion für die in der Corona-Krise in Existenznot geratene Fluggesellschaft für 300 Mio. € erworben und wurde damit zum Hauptaktionär. An der Börse ist das zum Nennwert von 2,56 € je Aktie erworbene Paket inzwischen mehr als das Dreifache wert. Allein mit dem Teilverkauf könnte der Staat rund 250 Mio. € einnehmen.

Der WSF war eingerichtet worden, um wichtigen Unternehmen über die Corona-Krise hinwegzuhelfen. Der Lufthansa stand er allein mit 6 Mrd. € bei. Neben dem Aktienpaket gewährte der Bund ihr stille Einlagen von 5,7 Mrd. €, die die Fluggesellschaft erst zum Teil in Anspruch genommen hat. «Nach ersten Erfolgen der von der Deutschen Lufthansa eingeleiteten zukunftsgerichteten Massnahmen passt der WSF damit seine Beteiligungshöhe unter Beachtung der Interessen beider Seiten zielgerichtet an», hiess es in der Mitteilung. «Im Rahmen der bestehenden Stabilisierungsmassnahmen wird der WSF die Deutsche Lufthansa weiterhin entsprechend seiner Position als wesentlicher Aktionär begleiten.»

Die Lufthansa-Aktien stehen schon länger unter Druck, weil die Fluggesellschaft eine Kapitalerhöhung angekündigt hat. Die Lufthansa und ihr Grossaktionär wollen die Airline möglichst schnell wieder unabhängig vom Steuerzahler machen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr will die Kapitalerhöhung möglichst noch im September über die Bühne bringen, um einen Teil der Finanzhilfe zurückzuzahlen. Der WSF liess am Montag offen, ob und wie er sich daran als Aktionär beteiligen werde. Eine Entscheidung darüber sei noch nicht gefallen, sagte ein Sprecher. «Der WSF wird zu gegebener Zeit bestehende Handlungsalternativen abwägen.» Vor einer Beteiligung braucht der Bund erneut grünes Licht von der EU, da es sich um eine weitere Staatsbeihilfe handeln würde.

Die Lufthansa hatte die Möglichkeit ins Gespräch gebracht, dass der Bund sich beteiligt, ohne frisches Geld dafür in die Hand zu nehmen. Entweder könnte er dazu die Einnahmen aus dem Teilverkauf der Aktien verwenden. Oder er könnte einen Teil der Bezugsrechte für die neuen Aktien verkaufen, um mit dem Erlös neue Aktien zu kaufen – eine sogenannte «Operation Blanche». Erst nach der Rückzahlung der stillen Einlagen muss der Bund sein Aktienpaket vollständig verkaufen.