Meinungen

Stärke zeigen

Der Streit zwischen CS-CEO Tidjane Thiam und Banker Iqbal Khan stürzt die Bank in die Krise. Der VR muss jetzt entschieden handeln. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Valentin Ade.

«Jetzt muss einer Stärke zeigen, dem das viele schon gar nicht mehr zutrauen: CS-Präsident Urs Rohner. »

Der Bankenplatz hat schon fast alles erlebt, so etwas aber noch nicht. Was als Nachbarschaftsstreit begann, hat die zweitgrösste Bank der Schweiz in die Krise gestürzt. Credit-Suisse-CEO Tidjane Thiam und sein Ex-Manager Iqbal Khan sind sich spinnefeind, was dieses Jahr zu Khans Abgang bei CS geführt hatte. Beide schiessen nun über ihr Umfeld gegeneinander. Zwei Streithähne mit überbordendem Ego haben eine ganze Grossbank in Geiselhaft genommen.

Jetzt muss einer Stärke zeigen, dem das viele schon gar nicht mehr zutrauen: CS-Präsident Urs Rohner. Nächste Woche wird er sich für den Verwaltungsrat äussern. Stärkt er seinem streitsüchtigen CEO den Rücken, kann er gleich zurücktreten und Thiam in Personalunion die Präsidentschaft andienen. Feuert er Thiam, macht er es sich zu einfach, stürzt CS ins Nachfolgedilemma und sollte zusammen mit dem CS-Sanierer gehen, an den er sich gekettet hat.

Wirklich überraschen könnte Rohner jetzt mit einer Mediationsleistung der besonderen Art. Für CS und den Bankenplatz am besten wäre, wenn Rohner es bewerkstelligt, dass Thiam und Khan ein gemeinsames «Mea culpa» eingestehen und öffentlich die Friedenspfeife rauchen. Freunde müssen sie nicht werden, Profis sollten sie mindestens sein. Es wäre ein Zeichen der Stärke von allen.

Denn man stelle sich vor: Thiam bleibt kommentarlos CS-CEO, Khan fängt bei UBS (UBSG 9.06 -0.04%) an und wird wie prognostiziert Nachfolger von Bankchef Sergio Ermotti – an der Spitze der Grossbanken stehen dann Männer, die sich gegenseitig verachten. Der Nachbarschaftsstreit hat sich von Herrliberg an den Paradeplatz ausgeweitet.