Unternehmen / Ausland

Hoffen auf «grünen Stahl»

Die Nachfrage ist zurzeit höher als das Angebot, doch die Preise werden wieder sinken. Die Dekarbonisierung stellt die Rohstahlproduzenten vor grosse Probleme.

Stahlproduzenten wittern zurzeit Morgenluft. Eine anziehende Nachfrage aus der stahlverarbeitenden Industrie trifft auf ein reduziertes Angebot, da während der Coronapandemie weltweit Produktionskapazitäten für Rohstahl heruntergefahren wurden. Daher steigen seit Oktober die Preise. An der Londoner Metallbörse kostet eine Tonne Betonstahl derzeit deutlich mehr als 600 $ und ist damit so teuer wie seit zehn Jahren nicht mehr. Gleiches gilt für Warmbandstahl aus China.

ArcelorMittal ist mit knappem Vorsprung vor der chinesischen Baowu Group der grösste Stahlproduzent der Welt. Am Hauptsitz in Luxemburg hat vor wenigen Tagen der bisherige CFO Aditya Mittal den Chefsessel von seinem Vater Lakshmi übernommen und dürfte ob des gelungenen Timings froh sein, denn sein Unternehmen konnte nach dem pandemiebedingten Einbruch für das vierte Quartal 2020 eine Erholung des Geschäfts melden. Der Umsatz stieg von 13,3 im dritten auf 14,2 (i.V. 15,5) Mrd. $ im letzten Quartal des Geschäftsjahres. Sowohl höhere Verkaufspreise als auch die Zunahme der Produktion hätten sich positiv ausgewirkt. Das Gesamtjahr hat die gute Entwicklung im letzten Quartal allerdings nicht gerettet. Der Umsatz sank insgesamt um rund ein Viertel.

ThyssenKrupp bleibt dem Stahl treu

ThyssenKrupp wusste zuletzt nicht recht, wie sie mit ihrer Stahlsparte Steel Europe angesichts hoher Kosten umgehen soll. Am Dienstagabend hat sie die Gespräche über den Verkauf der Sparte an Liberty Steel beendet und will das Stahlgeschäft nun aus eigener Kraft weiterentwickeln. Das erste Quartal (Geschäftsjahr ab 1. Oktober) macht Mut, denn die Sparte erzielte auf Stufe Ebit einen Gewinn von 22 Mio. €, nach einem Verlust von 131 Mio. € im Vorjahr. Der Auftragseingang über alle fortgeführten Geschäfte von ThyssenKrupp stieg um 6% auf 7,8 Mrd. €. Der Konzern erhöhte die Prognose für das Betriebsergebnis im laufenden Geschäftsjahr auf «nahezu ausgeglichen». Bisher war ein Verlust im mittleren dreistelligen Millionenbereich erwartet worden. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?