Meinungen

Standortattraktivität bewahren

Die Schweiz darf im internationalen Wettbewerb nicht stehen bleiben. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Peter Morf.

«Die Politik ist dringend gefordert, die Rahmenbedingungen des Wirtschaftsstandortes Schweiz nicht weiter zu verschlechtern.»

Es sind zwar keine Sensationsmeldungen – der US-Konzern General Electric (GE) baut Stellen in der Schweiz ab, Ähnliches planen offenbar der Tabakgigant Japan Tobacco International (JTI), der Kosmetikkonzern Coty oder der Nahrungsmittelhersteller Kellogg’s –, doch die News lassen dennoch aufhorchen, zumal Meldungen über Neuansiedlungen ausländischer Unternehmen in der Schweiz zur Rarität geworden sind.

Die Gründe sind in jedem Einzelfall anders, eine monokausale Erklärung gibt es auch hier nicht. So können Steuern oder stetig leicht steigende Sozialabgaben eine Rolle spielen, im Fall von JTI eventuell die stetige und sich verschärfende Ächtung des Tabakkonsums, weitere Regulierungen des Arbeitsmarkts bzw. die erschwerte Rekrutierung von Fachkräften, steigende Löhne, Auflagen, Regulierungen oder Ähnliches mehr.

Die Schweiz hat als Unternehmensstandort an Attraktivität eingebüsst. Das ist nicht aus Prestigegründen fatal, sondern hat handfeste wirtschaftliche Konsequenzen. Sie fallen im Wesentlichen auf drei Ebenen an: Es gehen Arbeitsplätze verloren – dies führt zu Schicksalsschlägen und zur Mehrbelastung der Arbeitslosenversicherung.

Gleichzeitig verschwindet Know-how, wenn hoch qualifizierte Arbeitskräfte ins Ausland verlagert werden. Zudem schrumpft das Steuersubstrat, was Löcher in die Kassen der öffentlichen Haushalte reisst. Derartige Auslagerungen haben, so unterschiedlich die Motive dazu im Einzelfall sein mögen, eines gemeinsam: Sie sind meist irreversibel, das heisst, die Arbeitsplätze und das Steuersubstrat kommen nicht wieder zurück.

Der Standort Schweiz bleibt unter Druck: Andere Länder haben in Sachen Attraktivität aufgeholt – es sei etwa auf Irland oder die Niederlande verwiesen. Zudem könnten die laufenden Bemühungen der OECD zur internationalen Harmonisierung der Unternehmensbesteuerung der Schweiz Schaden zufügen.

Da wäre es wichtig, dass die Schweiz sich das Leben nicht noch selbst zusätzlich schwer macht und die Standortattraktivität verschlechtert. Leider hat dies die Politik in den vergangenen Jahren immer wieder fertig gebracht. Stichworte sind die schon genannten Steuern oder Sozialabzüge. Hinzu kommen etwa die Bemühungen, ausländische Investitionen in der Schweiz einer Kontrolle zu unterstellen, was Investoren abschreckt.

Die Politik ist dringend gefordert, die Rahmenbedingungen des Wirtschaftsstandorts Schweiz nicht weiter zu verschlechtern. Die Aussichten sind insofern wenig erfreulich, als die in den Eidgenössischen Wahlen massiv erstarkten Grünen sich im Parlament erfahrungsgemäss nicht eben als wirtschaftsfreundliche Partei profilieren – im Gegenteil.

Sie kaprizieren sich vielmehr darauf, wie die ihnen nahestehende SP, den Unternehmen das Leben möglichst schwer zu machen, um sie dann zu kritisieren, wenn sie Arbeitsplätze abbauen. Wenn dieser Prozess auf breiter Front richtig einsetzt, ist es zu spät. Korrekturen sind dann nur noch schwer möglich.

Leser-Kommentare

Martin Mäder 30.10.2019 - 20:05

“Die Politik ist dringend gefordert, die Rahmenbedingungen des Wirtschaftsstandorts Schweiz nicht weiter zu verschlechtern.” Diese Forderung ist mir viel zu defensiv. Die Politik MUSS die Rahmenbedingungen des Wirtschaftsstandorts Schweiz RASCH und MARKANT wieder VERBESSERN! So hofft trotzig ein zunehmend desillusionierter Rufer in der Wüste …