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Starke Konjunkturdaten setzen Gold zu

Die Erwartung steigender Zinsen und ein sinkendes politisches Risiko machen das Edelmetall für Anleger weniger attraktiv.

Gold ist so günstig wie zuletzt vor sechs Monaten. Eine Unze des Edelmetalls kostet noch 1210 $. Die sehr guten Zahlen vom US-Arbeitsmarkt bestärken die Hoffnung der Anleger, dass die US-Wirtschaft genug robust ist, um höhere Zinsen zu verkraften. Das belastet die Goldnachfrage.

Am Freitag überraschte die US-Wirtschaft mit einem ausserordentlichen Jobwachstum. Im Juni wurden 220’000 neue Stellen geschaffen. Erwartet wurde ein Anstieg um lediglich 180’000 Jobs. Zudem wurden die Zahlen für April und Mai deutlich nach oben revidiert. Demnach sind in den beiden Vormonaten insgesamt 47’000 mehr Arbeitsplätze entstanden als ursprünglich berechnet.

Höher Zinsen werden erwartet

Angesichts der guten Konjunkturdaten nimmt auch die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen durch die US-Notenbank in diesem Jahr zu. Dies, obwohl die Inflation bisher hinter der Erwartung zurückbleibt.

Sollte das Preiswachstum weiterhin schwach bleiben, dürfte der inflationsbereinigte Zins im laufenden und im kommenden Jahr höher ausfallen als bisher erwartet. In diesem Umfeld verlieren Edelmetalle an Attraktivität. Denn im Unterschied zu anderen Anlagen werfen Gold und Silber (Silber 24.28 0%) keine Rendite ab.

Zumal sich die Erwartung steigender Zinsen auch ausserhalb der USA langsam verstärkt. Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hatte den Markt vorletzte Woche mit der Ankündigung überrascht, dass die EZB ihre expansive Geldpolitik bald drosseln werde. Dem will sich nach eigenen Aussagen die Bank of England anschliessen.

Politisches Risiko sinkt

Gleichzeitig hat sich das politische Risiko in der Eurozone in den vergangenen Monaten verringert. Durch die deutliche Wahl von Emmanuel Macron in Frankreich wurde ein weiterer Aufstieg des Populismus verhindert. Der Schock an den Finanzmärkten ist ausgeblieben.

Auch in Deutschland ist die Wahrscheinlichkeit klein, dass die rechtsnationalistische Partei Alternative für Deutschland (AfD) bei der Parlamentswahl im September eine Mehrheit der Wähler für sich gewinnt. Damit verliert Gold seine Anziehungskraft als sichere Anlage.

Pessimismus am Goldmarkt wächst

Der Pessimismus der Goldanleger spiegelt sich auch am Terminmarkt. Immer weniger spekulative Investoren setzen auf einen steigenden Preis. Allein in der vergangenen Woche sind die Netto-Long-Positionen um knapp ein Drittel auf 93’000 gesunken. Seit Anfang Juni beträgt der Rückgang mehr als 50%.

Angesichts der jüngsten Entwicklung glaubt Ole Hansen, Rohstoffexperte der Saxo Bank, dass der Goldpreis kurzfristig noch tiefer tendieren wird. Neben der geldpolitischen Straffung laste derzeit der schwache Silberpreis auf dem Edelmetall. Damit werde auch ein Preisrückgang unter 1200 $ je Unze wahrscheinlich.

Für die weitere Preisentwicklung des Edelmetalls ist entscheidend, ob die Konjunkturdaten weiterhin derart positiv überraschen. Ein Fragezeichen ist das schwache Lohnwachstum in den USA, das auch davon zeugen kann, dass die Qualität der geschaffenen Stellen niedrig ist. Sollten die Wirtschaftsindikatoren in den kommenden Wochen enttäuschen, könnte dies Gold wieder etwas Auftrieb verleihen.