Unternehmen / Schweiz

Starker Dollar verleiht Flügel

Alle reden von Frankenschock und schwachem Euro. Doch wo es Verlierer hat, gibt es auch Gewinner der Wechselkursturbulenzen.

Martin Lüscher und Eflamm Mordelle

Der für viele Schweizer Exporteure ungünstige Franken-Euro-Kurs dominiert seit Wochen die Diskussion. Andere, nicht minder relevante Währungsentwicklungen finden weniger Beachtung. Der Dollar etwa steigt seit einigen Wochen kräftig. Das wird vielen Schweizer Unternehmen mit bedeutendem Auslandgeschäft Rückenwind geben und den negativen Effekten der Euroabschwächung entgegenwirken.

«Schweizer Unternehmen haben traditionell einen hohen Anteil an US-Aktivitäten, die entsprechende Einkünfte in Dollar generieren», sagt Christian Gattiker, Leiter Research bei der Bank Julius Bär (BAER 46.46 1.37%). Das heisst, Schweizer Gesellschaften mit einem hohen Umsatzanteil in der US-Währung werden den positiven Einfluss der Dollarstärke spüren. «Pharma- und Medtech-Unternehmen sowie die Grossbanken werden von einem starken Dollar profitieren», sagt Gattiker. Darunter fallen die Pharmahersteller Actelion und Roche (ROG 305.35 0.28%), der Hörgerätehersteller Sonova (SOON 222.3 0.36%), aber auch die beiden Grossbanken Credit Suisse (CSGN 12.99 1.33%) und UBS (UBSG 11.945 1.27%).

«Grosse Profiteure sind die Luxusgüterhersteller Swatch Group (UHR 277.3 1.13%) und Richemont (CFR 75.26 2.09%), da sie einen wesentlichen Teil des Ertrags im Dollarraum erwirtschaften», ergänzt Sven Bucher (BUCN 325 1.31%), Leiter Research bei der Zürcher Kantonalbank. Richemont beispielsweise setzt über 60% in Nord- und Lateinamerika sowie im Raum Asien Pazifik um.

Positive Währungseffekte

Im Gegensatz zur abrupten Euroabwertung hat sich der Dollar gegenüber dem Franken seit einem Jahr stetig verteuert. Am Freitag kostete 1 $ fast 0.99 Fr. Im ersten Quartal 2014 waren es durchschnittlich 0.89 Fr., das entspricht einem Anstieg von rund 10%. Einzig die Aufgabe des Euromindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank am 15. Januar war ein heftiger Rückschlag, von dem sich der Dollar-Franken-Kurs jedoch fast erholt hat.

Die USA als grösster Absatzmarkt der Welt, mit einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von rund 3% und einem boomenden Aktienmarkt, erscheinen in verhältnismässig solider Verfassung. Entsprechend begehrt ist die US-Währung. Aus diesen Gründen spricht vieles dafür, dass sich der Trend eines starken Dollars in den kommenden Monaten fortsetzen wird.

Bereits im ersten Quartal dürfte in einzelnen Fällen von Schweizer Unternehmen mit einem positiven Basiseffekt zu rechnen sein. Das bedeutet, Umsatz aus der Vergleichsperiode vor einem Jahr wurde zu einem tieferen Dollarkurs verbucht als der aktuelle Umsatz. Der Basiseffekt verbessert dank der Dollaraufwertung das Ergebnis. Der Umrechnung aus der Lokal- in die Berichtswährung – dem Translationseffekt – sind alle Unternehmen mit Auslandaktivitäten unterworfen. Steigt der Dollar, wird entsprechend ein höherer Gewinn in der Berichtswährung Euro oder Franken ausgewiesen werden.

Weitaus kritischer ist der Transaktionseffekt, der zum Tragen kommt, wenn Kosten und Erlös in verschiedenen Währungen anfallen. Mit Blick auf die Dollaraufwertung ist es vorteilhaft, wenn Kosten mehrheitlich in Franken oder Euro verbucht werden und ein grosser Teil des Ertrags in Dollar erwirtschaftet wird. Dies führt zu einem positiven Transaktionseffekt mit entsprechender Verbesserung von Gewinn und Profitabilität.

Die Dollargewinner

«Währungsfluktuationen sind die grösste Unbekannte in der Aktienanalyse», hält Gattiker fest. Unklar ist auch, ob beim aktuellen Dollarkurs die negativen Effekte der Euroschwäche bereits vollständig ausgeglichen werden können.

Dennoch kann man potenzielle Gewinner einer anhaltenden Dollaraufwertung erkennen. Ein zentraler Hinweis sind die Umsatzanteile im US-Dollar-Raum und in Asien. Die Aktivitäten in Asien sind deshalb relevant, weil zahlreiche asiatische Währungen, obschon mehrheitlich offiziell nicht fix an den Dollar gebunden, sich ähnlich wie die US-Leitwährung bewegen. Ein weiteres Kriterium ist die Währung des grössten Kostenblocks eines Unternehmens, um den Einfluss des Transaktionseffekts abzuschätzen. Auch die Währung, in der der Schuldendienst geleistet werden muss, hat einen Einfluss.

Zuletzt ist auch die Rapportierungswährung zu beachten. Berichtet ein Schweizer Unternehmen in Dollar, wie etwa der Industriekonzern ABB (ABBN 22.33 0.95%), der Pharmariese Novartis (NOVN 91.28 0.93%) oder der Agrochemiekonzern Syngenta, sind die positiven Effekte der Dollaraufwertung nicht sichtbar, respektive erst in der Umrechnung des Gewinns pro Aktie in Franken. Aus Anlegersicht lohnt es sich nicht nur, die negativen Folgen des Frankenschocks zu sehen, sondern auch, die Chancen einer anhaltenden Dollaraufwertung rechtzeitig zu erkennen.

Leser-Kommentare

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.