Als Herr Alessi Richard Sapper gebeten hat, für sein Unternehmen eine neue Espressokanne zu entwerfen, hat der den Job erst gar nicht in Angriff nehmen wollen, weil er meinte, die zu jedem italienischen Haushalt gehörende Bialetti würde ja wunderbar funktionieren. Herausgekommen ist dann die 9090.

Richard Sapper war Mitte der Neunzigerjahre mein Lehrer an der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart. Seither benutze ich eine 9090 zum Kaffeekochen daheim und im eigenen Atelier haben wir seit zehn Jahren mittlerweile alle drei Grössen in Benutzung.

Jedes Mal, wenn ein neuer Praktikant verzweifelt versucht, das Ding zu öffnen, müssen wir anderen schmunzeln. Richard Sapper hat seiner Kanne nämlich nicht nur eine wunderschöne Form gegeben, die, aus dem Repertoire der Postmoderne stammend, einer optimalen Funktion auf dem Gaskochfeld geschuldet ist, sondern auch einen raffinierten Verschluss eingebaut, der eher einem Präzisionswerkzeug entliehen sein könnte als einem Küchengerät. Dieser Verschluss ist jedenfalls derart elegant in die Kanne einbezogen, dass es eine Freude ist, die 9090 zig mal am Tag zu benutzen. Ausserdem: Die Kanne erinnert mich daran, dass es keinen Grund gibt, etwas Perfektes nicht nochmals mit anderen Augen zu betrachten …