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Märkte / Aktien

«Steuerreformen sind gut für Aktien»

Frank Holmes, CEO von US Global Investors, legt vor allem in Rohstoff- und Schwellenländeraktien an und erklärt, was er unter Qualitätstiteln versteht.

Herr Holmes, welcher Rohstoff ist momentan Ihr Favorit?
Zu den wichtigsten Einflussfaktoren, wenn man Rohstoffe anschaut, gehört der globale Einkaufsmanagerindex. Er wendete im vergangenen Sommer ins Positive. Je länger dieser wichtige Frühindikator für die Weltkonjunktur positiv ist, desto stärker nehmen die Nachfrage nach Rohstoffen und die Rohstoffpreise zu. Die Rohstoffpreise können aber auch klettern, wenn das Angebot sinkt. In Chile und Peru hatten wir eben Streiks in den Kupferminen  – und der Kupferpreis ist gestiegen. Die Streiks limitierten das Angebot. Wenn man nun nur auf die Basismetalle schaut, sollte man vor allem Zink beachten. Das Angebot ist beschränkt, der Preis wird deshalb steigen.

Sie haben Kupfer angesprochen. Wie stehen Sie zu diesem Basismetall?
Ich favorisiere auch Kupfer. Es spielt eine bedeutende Rolle bei der zunehmenden Elektrifizierung weltweit und wird von US-Präsident Donald Trumps Infrastrukturplänen profitieren. Zudem ist es wichtig für Batterien. Stromspeichertechnologien sind ein Wachstumsmarkt.

Worauf setzen Sie zurzeit bei den Edelmetallen?
Ich liebe Gold (Gold 1252.99 0.31%). Das deshalb, weil wir immer noch mit zu viel Regulierung leben. Regulierung ist eine indirekte Besteuerung und bremst das Wachstum. Trump versucht, die Regulierung zu reduzieren. Die Zinsen könnten dann steigen, und es wird immer noch Wachstum geben. Bei konservativen Regierungen geht es immer um weniger Steuern und weniger Regulierung, mit dem Ziel, das Wachstum anzukurbeln. Wenn die USA deregulieren, werden andere Weltregionen folgen. Das stimmt mich zuversichtlich für Gold.

Die US-Notenbank hat weitere Zinserhöhungen in Aussicht gestellt. Keine Konkurrenz durch Bonds für das zinslose Gold?
Die Sorge ist, dass, wenn nicht dereguliert wird und die Zinsen steigen, es zu einer Rezession kommt. Doch Trump hat Deregulierung versprochen. Wir brauchen Deregulierung, um Wachstum zu generieren. Der Goldpreis wird nur sinken, wenn die realen Zinsen – also der Leitzins minus die Inflationsrate – positiv werden. Das scheint aber wenig realistisch zu sein.

Gibt es unter den Energierohstoffen etwas, was Sie favorisieren?
Ich bin bullish für Erdgas (Erdgas 3.037 0.33%). Sein CO2-Fussabdruck ist nicht so gross wie derjenige von Kohle (Kohle 77.7 -0.13%) und Öl. Zudem wird immer mehr Strom mit Gas erzeugt, weil es so günstig ist.

Nachdem Trump die Klimagesetzgebung seines Vorgängers Barack Obama rückgängig gemacht hat, sollten Sie auch für die Kohle positiv gestimmt sein.
Die Kehrtwende in der US-Klimapolitik wird der Kohle keinen grossen Schub geben. Das Geschäftsmodell für Kohle ist kaputt. Ausser, man hat Kohle mit wenig Schwefel und einem hohen Brennstoffwert. Aber das gibt es nur an wenigen Orten auf der Welt. Kolumbien ist einer. Dort gibt es diese wertvollere Kohle.

Öl haben Sie nicht erwähnt. Wie steht es um diesen Energieträger?
Erdöl wird in nächster Zeit zwischen 40 und 60 $ pro Fass handeln. Wenn der Preis gegen 60 $ pro Fass steigt, kommen die amerikanischen Fracker und beginnen, mehr zu produzieren. Die USA sind heute der Ölpreisstabilisator, nicht mehr das Angebot der Förderorganisation Opec.

Was raten Sie Anlegern, wie sollen sie in Rohstoffe investieren?
Rohstoffe und Rohstoffaktien sollten nicht mehr als 25% des Portfolios ausmachen. Ob dieser Prozentsatz noch zutrifft, muss regelmässig überprüft werden.

Würden Sie in Rohstoffe direkt oder indirekt über Aktien von Rohstoffunternehmen investieren?
Ich kaufe Aktien. Dabei achte ich auf hohe Qualität. Beispiele aus den Top Ten unseres Global Resources Fund sind der australische Gold-, Nickel- und Kupferförderer Regis Resources, der japanische Aluminiumhersteller Nippon Light Metal und  der kanadische Holzproduzent Interfor.

Wie definieren Sie Qualität?
Das sind Aktien von Unternehmen, die weniger Schulden als der Branchendurchschnitt haben. Die Gesellschaften sollten zudem im Vergleich zum investierten Kapital den höchsten Cashflow ihrer Branche erzielen. Solche Unternehmen haben die Fähigkeit, die Dividende zu erhöhen.

Sie investieren auch in Schwellenländer. Welche mögen Sie am meisten?
China ist viel einfacher zu beurteilen als Indien. Aber Indien ist speziell wegen Premierminister Narendra Modi. Er war der erste Maverick – wirtschaftsfreundlich schon lange vor Trump. Als Modi noch die Provinz Punjab regierte, wuchs ihre Wirtschaftsleistung mehr als China. Als Tata in Indien einen Kleinwagen bauen wollte, kam das Unternehmen wegen all der korrupten Beamten und Politiker nicht voran. Daraufhin holte Modi Tata in seine Provinz, und die Produktion des Kleinwagens begann. Vergangenes Jahr sagte Modi – mittlerweile Premierminister –, es gebe zu viel Korruption im Land, und zog als Gegenmassnahme 80% des Papiergeldes ein. Unerhört!

Für Sie kommt Indien vor China?
Ja, ich favorisiere Indien, weil es so rasch westliche Mentalitäten und Standards adoptiert. In China ist das anders. Zudem hat Indien eine Affinität zu Nordamerika, speziell zu den USA.

Wie steht es mit dem Währungsrisiko bei Schwellenländeranlagen?
Was mich beunruhigt in diesen Ländern, ist eine Verschlechterung der steuerlichen Rahmenbedingungen. Argentinien etwa geht genau den umgekehrten Weg: Es gibt eine Steuerreform. Deshalb mag ich das Land. Überall, wo Steuerreformen stattfinden, ist das gut für Aktien. Wird hingegen die Steuerschraube angezogen, steige ich aus dem entsprechenden Land aus.

Wie beurteilen Sie die politischen Risiken in Schwellenländern?
Jedes Land ist verschieden. Ich versuche herauszufinden, was die politische Vision der Machthaber ist und welche Fiskalpolitik sie betreiben. Das ist er Schlüssel.

Welche Meinung haben Sie zu Russland?
Präsident Wladimir Putin ist ein Gegenwind, weil er ein Tyrann ist. Er ist einer, der Leben zerstört. Beim Investieren in Russland machte ich die Erfahrung, dass die Anlagen in 90% der Fälle mit dem Preis von Öl korrelierten. Wenn der Ölpreis fällt, fallen sowohl die russische Währung wie auch die Aktien, und umgekehrt. Russland bedeutet Energie. Problematisch ist zudem, dass man die Währung nicht absichern kann.

Wie investieren Sie in Schwellenländer?
Ich kaufe Aktien. Beispiele aus den Top Ten unseres China Region Fund sind die Titel des Autoherstellers Geely und des Produzenten optischer Geräte Sunny Optical Technologie. Aus dem Emerging Europe Fund kann ich etwa die Raffineriewerte Polski Koncern Naftowy Orlen oder den türkischen Haushaltgeräteproduzenten Arcelik empfehlen. Der Trend ist, kostengünstige ETF zu kaufen. Compliance und Regulierung für Fonds sind so exzessiv, dass es die Anlageentscheidung behindert. Zudem gibt es nur wenige gute aktive Fondsmanager. Warum soll ich mit einem Anlagefonds 200 Basispunkte zahlen für einen Manager, der doch nur einem Index folgt, wenn ich via einen ETF einen Index für 50 Basispunkte haben kann? Wichtig ist zudem, dass man regelmässig sein Portfolio ausbalanciert. Was zu stark gestiegen ist, muss man verkaufen und kaufen, was zu stark zurückgeblieben ist. Dieses disziplinierte Vorgehen ist eine der besten Strategien für Anleger.