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«Keine Dringlichkeit, Panalpina zu verkaufen»

Die Ernst-Göhner-Stiftung lehnt das Übernahmeangebot von DSV ab. Thomas Gutzwiller, Präsident des Panalpina-Ausschusses im Stiftungsrat, sagt, weshalb.

Yvonne Debrunner und Claudia Lanz-Carl

Der Hauptaktionär des Logistikkonzerns Panalpina (PWTN 213.8 0.56%) nimmt die Offerte des Konkurrenten DSV aus Dänemark nicht an – zumindest vorläufig. DSV (DSV 605.4 0.53%) hatte Mitte Januar rund 4 Mrd. Fr. geboten. Man habe das Angebot geprüft, sei jedoch zum Schluss gekommen, es nicht zu unterstützen, teilte die Ernst-Göhner-Stiftung (EGS) am Montag mit. Sie hält rund 46% an Panalpina.

Herr Gutzwiller, die Ernst-Göhner-Stiftung unterstützt das Übernahmeangebot von DSV für Panalpina nicht. Ist das ein grundsätzliches Nein, oder hängt der Entscheid vom Preis ab?
Wir haben das Angebot von DSV mit der Hilfe von Goldman Sachs (GS 193 0.54%) analysiert und auch die Strategie des Panalpina-Verwaltungsrats auf den Prüfstand gestellt. Dabei sind wir zum Schluss gekommen, dass für alle Stakeholder, Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter, aber auch für den Werkplatz Schweiz die Strategie des Verwaltungsrats die bessere Strategie ist.

Weshalb lehnen Sie das Angebot ab?
Panalpina hat in den letzten Jahren 250 bis 300 Mio. Fr. in eine integrierte Prozess- und IT-Plattform investiert. Heute laufen über 50% der Transaktionen über diese Plattform, Ende Jahr werden es 85% sein. Diese Plattform ist ein riesengrosses Asset und das zentrale Element der Strategie. Die meisten Frachtlogistiker haben keine integrierte IT-Plattform, DSV schon. Weil auch Panalpina eine solche Plattform hat, ist das Übernahmeangebot nicht attraktiv. In einem Szenario der Eigenständigkeit schaffen wir mehr Wert.

Was, wenn ein neues, besseres Übernahmeangebot vorgelegt würde?
Wenn sich wesentliche Umstände ändern, müssten wir das wieder analysieren. Aber die Position der Stiftung ist klar: Wir helfen Unternehmen, sich zu entwickeln, und wir glauben an den strategischen Weg von Panalpina.

Sie setzen darauf, dass die Wertsteigerung von Panalpina als eigenständiges Unternehmen grösser ausfällt als bei einer Übernahme. Bis wann wird das der Fall sein?
Wir haben unsere Berechnungen gemacht und sind sehr zuversichtlich. Es wird etwas Zeit brauchen, den Mehrwert zu realisieren, aber wir sprechen nicht von fünf Jahren.

Andere grosse Aktionäre wie Cevian oder Artisan haben das Angebot von DSV begrüsst. Wie wollen Sie künftig mit ihnen zusammenarbeiten?
Wir sind mit den anderen Aktionären in Kontakt. Wir verstehen die Situation von Cevian, wir verstehen die Situation von anderen kurzfristigen Investoren. Nur: Die Ernst-Göhner-Stiftung ist kein Finanzinvestor. Wir sind ein langfristiger Investor.

Cevian und andere Aktionäre haben die Corporate Governance von Panalpina kritisiert. Sind diesbezüglich aus Ihrer Sicht alle Punkte geklärt? Die Stimmrechte der anderen Aktionäre werden ja noch immer auf 5% beschränkt. Nur die Stiftung ist davon ausgenommen.
Wir sprechen mit den anderen Aktionären auch über Governance-Fragen. Der Panalpina-Ausschuss untersucht diese Punkte, etwa zur Stimmrechtsbeschränkung, und ist mit den anderen Aktionären dazu in Kontakt.

Was ist, wenn die Strategie nicht aufgeht? Steht Panalpina dann in zwei Jahren am selben Punkt und muss ein schlechteres Angebot annehmen?
Panalpina befindet sich in einer Transformation, und diese verläuft gut. Wir haben Vertrauen, dass die Strategie aufgeht. Unsere Analysen haben ergeben, dass die Wertgenerierung mit der Strategie des Verwaltungsrats wesentlich höher ist als mit der vorliegenden Offerte. Wir sehen keine Dringlichkeit, Panalpina zu verkaufen.

Panalpina will künftig selbst Zukäufe durchführen. In welchem Bereich soll sich das Unternehmen verstärken?
Das müssen der Verwaltungsrat und die Konzernleitung entscheiden. Es gibt aber genügend interessante Firmen.

Ist die Stiftung auf die hohen Dividenden von Panalpina angewiesen, um gemeinnützige Projekte zu unterstützen?
Wir publizieren als Stiftung keine Zahlen. Die Stiftung hat ein sehr diversifiziertes Vermögen, und die Strategie der Stiftung im Vergabebereich ist nicht auf eine einzige Anlage abgestützt.

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