Der Werkstättenflügel des Dessauer Bauhauses mutet zeitlos frisch an. Vor genau hundert Jahren wurde sie gegründet, die Bauhaus-Schule, wohl die wirkungsmächtigste in Architektur, Kunst, Handwerk und Design des 20. Jahrhunderts. Zum Jubiläum erhält das Bauhaus in Weimar ein Museum – immer eine zweischneidige Auszeichnung. Der mobile Auftritt hier in Berlin wirkt jedenfalls kongenialer. 1933 machten die Nazis die Schule dicht. Sie sahen in ihr einen Hort des Marxismus, was mit Blick auf einzelne führende Köpfe sogar zutraf. Dem Stil – Funktionalität in Glas und Stahlbeton – tat das keinen Abbruch. Das Dessauer Haus, 1925/26 nach Plänen von Walter Gropius erstellt, ist ein Schlüsselwerk der europäischen Moderne, des radikalen Neubeginns in der Zwischenkriegszeit. Nach der Schliessung verliessen viele Dozenten und Schüler das Hitlerreich und trugen Bauhaus-Ideen in die Welt, etwa in die USA oder, prominent im Stadtbild, nach Tel Aviv. Ein Förderer des Bauhauses war übrigens Hugo Junkers, Flugzeugbauer, Demokrat und Pazifist; kein Wunder, dass ihn Nazis aus seinem Unternehmen drängten. Die Dessauer Junkerswerke waren ein Ziel für die alliierten Bomber. Sie trafen auch das Bauhaus-Areal. (Bild: Adam Berry/EPA/Keystone)