Unternehmen / Finanz

Stimmen zum Chefwechsel bei UBS

Die geplante Rochade an der Spitze der Schweizer Grossbank sorgt für Schlagzeilen.

Ralph Hamers, derzeit Chef der niederländischen ING Bank, soll per 1. November Sergio Ermotti als CEO bei der Schweizer Grossbank UBS ablösen. Die geplante Rochade kommt bei Analysten mehrheitlich gut an. Auch in den Niederlanden ist sie ein Thema. Im Zentrum steht neben der Kritik rund um die Entlohnung die Bilanz des ING-Chefs.


Zürcher Kantonalbank


Die Zürcher Kantonalbank ist nicht überrascht über den Abgang von Sergio Ermotti. «Vorläufig wird sich an unserem Investment Case aber nichts ändern.» Sie wertet es positiv, dass Hamers kein Investmentbanker ist. «Im Fokus 2020 werden nach wie vor die Restrukturierung des Wealth Management und der Investmentbank sowie der französische Rechtsfall stehen», schreibt Analyst Javier Lodeiro.

Zudem verweist ZKB auf die erfolgreiche Digitalstrategie von Hamers bei der ING Bank. Unter seiner Führung habe sich das Geschäftsmodell der Bank stark gewandelt. «Heute gilt ING als Vorreiterin in Sachen Digital Banking.» Unter Hamers werde die Digitalisierung bei UBS (UBSG 8.882 -2.07%) dehalb neuen Schub erhalten, wodurch die Bank ihren Vorsprung nochmals ausbauen dürfte.


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Vontobel


Auch Vontobel (VONN 44.92 -3.81%) sieht mit Hamers gute Chancen, dass das digitale Angebot der UBS weiter gestärkt werden könnte. «Ralph Hamers hat seine gesamte berufliche Laufbahn bei der ING Group (INGA 4.899 -10.49%) verbracht (seit 1991, seit 2013 als CEO)», schreibt Aktienanalyst Andreas Venditti. Unter seiner Leitung sei das Betriebsmodell der Bank grundlegend geändert worden. «ING gilt heute als eines der besten Beispiele für digitale Innovation im Bankensektor.»


«NRC Handelsblad»


Die überregionale Tageszeitung macht in ihrem Online-Artikel auf die Vergütung des abtretenden ING-Chefs aufmerksam. 2018 sorgte die Gehaltserhöhung von 50%, die der Aufsichtsrat von ING Ralph Hamers geben wollte, für grosse Kritik. Sein Jahreseinkommen hätte dann mehr als 3 Mio. € betragen. Nach der öffentlichen Aufregung wurde dieser Vorschlag zurückgezogen. Das Jahresgehalt von Hamers belief sich 2018 daher auf 1,75 Mio.

Auch der Grund für den Wechsel wird thematisiert. «In letzter Zeit gab es Gerüchte über eine mögliche Abkehr von Hamers, weil ihm die Wertschätzung fehlen würde und jede Kritik in den Niederlanden stattfinden würde.»


NPO Radio 1


Der öffentlich-rechtliche Radiosender NPO Radio 1 verweist darauf, dass im selben Jahr wie die Diskussion über die Gehaltserhöhung eine Geldwäscheaffäre ans Licht kam. «ING hat zu wenig getan, um Kunden daran zu hindern, Geld über ING-Konten zu waschen.» Die Bank habe damals zugegeben, ernsthaft gescheitert zu sein, und beschlossen, in vier Fällen insgesamt 775 Mio. € bei der Staatsanwaltschaft zu begleichen.


NOS Radio


Beim anderen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, NOS, wird auch die Entwicklung der ING unter Hamers thematisiert. «In seiner Zeit bei ING engagierte sich Hamers für die Digitalisierung von Bankangelegenheiten.» Trotz der Skandale der letzten Jahre verlasse er die Bank zu einem guten Zeitpunkt. «Die Bank ist in guter Verfassung, die Rentabilität ist in Ordnung, und in der Zeit, in der er der Chef war, sind viele Millionen Kunden hinzugekommen.»

Leser-Kommentare

Peter Hunziker 21.02.2020 - 08:17

Ich lese zu viel von “wenn und aber” : lassen wir doch zuerst Herrn Hamers bei UBS beginnen! Und hat er nicht garantierte 100 Tage zu gut ohne negative Kommentare? Und ein Neuer ist doch gut für eine fast schon eingetrocknete Kultur/Struktur?