Zum Thema: Die grosse Macht der Berater

Stimmrechtsberater im Fokus

ISS

ISS steht für Institutional Shareholder Services und ist der Dominator der Branche. 1985 gegründet, deckt ISS heute mit 900 Mitarbeitern in 17 Büros 13 000 Unternehmen ab. Der Hauptsitz befindet sich in Rockville, Maryland. Zudem zählt ISS Büros in elf weiteren Ländern. In Europa ist sie in London, Paris, Brüssel, Stockholm und Kopenhagen vertreten. Das Unternehmen zählt 1600 institutionelle Kunden. Aufgrund der Abdeckung ist ISS die erste Anlaufstelle für global agierende Investoren.

Angefangen hat ISS mit Stimmrechtsempfehlungen zur Förderung guter Unternehmensführung (Corporate Governance). Sie folgt bei ihren Empfehlungen einem regelbasierten Ansatz. Ausser der Stimmrechtsempfehlung bietet das Unternehmen eine breite Palette von Dienstleistungen an. Dazu zählen unter anderem das Ausüben von Stimmrechten, Nachhaltigkeitsanalysen und Unterstützung bei Sammelklagen. Seit 2014 gehört ISS dem amerikanischen Private-Equity-Unternehmen Vestar Capital Partners.

Glass Lewis

Glass Lewis ist die Nummer zwei im globalen Geschäft der Stimmrechtsberater. 2003 wurde das Unternehmen mit Hauptsitz in San Francisco gegründet. Ausserhalb der USA betreibt Glass Lewis Büros in London, Limerick, Karlsruhe und Sydney. Die Niederlassungen in Deutschland und Australien sind auf Übernahmen zurückzuführen. Im Juni 2015 kaufte das Unternehmen mit IVOX den grössten unabhängigen Stimmrechtsberater aus Deutschland.

Glass Lewis beschäftigt weltweit 360 Angestellte, wovon die Hälfte im Research arbeitet. Sie decken mehr als 20 000 Generalversammlungen in 100 Ländern ab. Glass Lewis zählt mehr 1200 Kunden, die gemeinsam 25 Bio. $ an Vermögen verwalten. Wie der Branchenprimus ISS bietet die Nummer zwei ebenfalls unterstützende Dienstleistungen an. Glass Lewis gehört dem Ontario Teachers’ Pension Plan Board und der Alberta Investment Management – der Pensionskasse der Lehrer von Ontario und einem der grössten institutionellen Investoren aus Kanada.

Ethos

Die Anlagestiftung Ethos ist der Platzhirsch unter den Schweizer Stimmrechtsberatern. Die öffentliche kantonale Pensionskasse von Genf und die private Pensionskasse für Industrie und Bauunternehmen in Genf gründeten 1997 die Ethos Stiftung. Das Ziel ist seit Beginn die Förderung des nachhaltigen Investierens. Dafür hat die Stiftung die Ethos Services geschaffen. Diese befindet sich im Besitz der Ethos Stiftung und siebzehn ihrer Mitglieder. Mitglieder der Ethos Stiftung können einzig schweizerische Vorsorgeinstitute und gemeinnützige Stiftungen sein.

Ethos Services beschäftigt am Hauptsitz in Genf sowie in Zürich total zwanzig Angestellte. Ethos bietet Stimmrechtsberatung, Stimmrechtsausübung, Nachhaltigkeitsanalysen und Fondsprodukte an. Letztere werden in Zusammenarbeit mit Banken angeboten. Treibende Kraft von Ethos war lange Dominique Biedermann, der im Juni 2015 den Posten des Direktors an Vincent Kaufmann übertrug. Seither ist Biedermann Präsident der Ethos Stiftung.

zRating

zRating erstellt seit 2011 Abstimmungsempfehlungen. Damals war dieses Geschäft noch Teil von zCapital, einem vor acht Jahren gegründeten Vermögensverwalter mit Fokus auf Schweizer Aktien. Vor zwei Jahren wurde das Geschäft mit Aktionärsdienstleistungen und Corporate-Governance-Analysen von der Vermögensverwaltung getrennt: zRating war geboren. Seit 2015 ist zRating ein Teil der Nachhaltigkeitsagentur Inrate.

Inrate wurde 1990 gegründet. Das Unternehmen gehört der Stiftung Pier-Luigi Giovannini, der Infras AG, der NEST Pensionskasse und einigen Mitarbeitern sowie Verwaltungsräten. Der Fokus von zRating liegt auf der Verbesserung der Corporate Governance. Das Unternehmen mit Sitz in Zürich beschäftigt vier Mitarbeiter und bietet Stimmrechtsempfehlungen sowie -vertretungen zu 170 Unternehmen aus dem Swiss Performance Index an. Geleitet wird zRating seit 2016 von Christophe Volonté, der zuvor den Stimmrechtsberater BIA gegründet hatte.

Swipra

Swipra ist das Küken unter den Schweizer Stimmrechtsberatern. Drei Parteien gründeten Swipra vor drei Jahren: die Credit Suisse (CSGN 11.75 -0.38%) Pensionskasse, die Konferenz der Geschäftsführer der Anlagestiftung KGAST und die Sammelstiftung Vita. Die Stiftung hat keinen Besitzer. Swipra erstellt ausschliesslich Analysen inklusive Abstimmungsempfehlungen und betreibt weder Beratung noch Asset Management.

Im Gegensatz zu anderen Beratern sind die Empfehlungen nicht regelbasiert. Swipra schaut jedes Unternehmen einzeln anhand von wissenschaftlichen Erkenntnissen zur langfristigen Wertsteigerung an. Die Stiftung mit Sitz in Zürich deckt die fünfzig grössten Unternehmen in der Schweiz ab. Swipra zählt vier Mitarbeiter, die während der GV-Saison von zwei bis drei Praktikanten unterstützt werden. Geschäftsführerin ist Barbara Heller. Vor der Gründung von Swipra war sie unter anderem Finanzchefin des Pharmaunternehmens Santhera (SANN 2.95 -0.67%) und arbeitete bei der Bank Vontobel (VONN 72.10 -0.62%) im Corporate Finance.