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Strafanzeige gegen Ex-Raiffeisen-Chef Vincenz

Die Staatsanwaltschaft Zürich eröffnet ein Verfahren gegen Pierin Vincenz. Raiffeisen reicht Strafanzeige gegen den ehemaligen Chef ein.

(CP/RK/VA) Der Fall Vincenz nimmt eine neue Wendung. Die Staatsanwaltschaft Zürich hat gegen Pierin Vincenz und ein weiteres ehemaliges Verwaltungsratsmitglied des Bezahlkartendienstleisters Aduno Holding ein Strafverfahren eröffnet. Es geht um ungetreue Geschäftsführung im Aduno- und im Investnet-Umfeld.

Die Basis bildet die Anzeige von Aduno im Dezember gegen den ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten Vincenz und einen weiteren ehemaligen Verwaltungsrat, wie es in der Mitteilung am Mittwoch heisst. Das Strafverfahren wurde im Rahmen der Ermittlungen auf drei weitere Personen aus dem beruflichen Umfeld der Beschuldigten ausgedehnt.

Laut Raiffeisen ist zudem die Gesellschaft Investnet ins Visier der Behörden geraten. Raiffeisen hält an der Gesellschaft eine Beteiligung, die unter der Ägide Vincenz’ zustande kam. Vincenz präsidiert Investnet derzeit noch.

Aduno hatte im November eine Anwaltskanzlei mit der externen Untersuchung über die Zeit der Präsidentschaft von Pierin Vincenz beauftragt. Im Rahmen der Abklärungen untersuchte die Zürcher Anwaltskanzlei Baumgartner Mächler verschiedene Übernahmen der Aduno-Gruppe aus den vergangenen Jahren auf ihre Rechtmässigkeit.

Aufgrund der Ergebnisse der Untersuchung hatte der Verwaltungsrat der Aduno-Gruppe Baumgartner Mächler vor Weihnachten 2017 mit der Einreichung einer Strafanzeige beauftragt, teilt Aduno heute mit. Bei der Untersuchung ging es gemäss Informationen von «Finanz und Wirtschaft» um Interessenkonflikte beim Zukauf von Beteiligungen. Konkret hätten die Akquisition von EuroKaution 2014 und der Kauf von Commtrain 2007 im Visier gestanden.

Raiffeisen: neue Indizien

Raiffeisen Schweiz ihrerseits hat ebenfalls eine Strafanzeige gegen ihren ehemaligen Chef eingereicht. Sie will damit «eine juristische Aufklärung aller Vorgänge in der Vergangenheit» erreichen. Die Bank ist zudem Privatklägerin im Verfahren der Staatsanwaltschaft.

Es seien laut Raiffeisen durch die Eröffnung des Strafverfahrens neue Indizien zum Vorschein gekommen, die der Bank vorher nicht bekannt waren. «Aus diesem Grund hat die Geschäftsleitung zusammen mit dem Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz beschlossen, als Mitklägerin aufzutreten und eine eigene Strafanzeige einzureichen», teilt das Institut mit.

Die eigene bankinterne Untersuchung im vergangenen Jahr mit Fokus auf der Investnet-Beteiligung habe keinen Anlass zu einer Strafanzeige gegeben. Um welche neuen Indizien es sich nun genau handelt, will Raiffeisen mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht sagen.

Zudem habe die Bank als grösste Aktionärin von Aduno keine Einsicht in die interne Untersuchung des Bezahldienstleisters gehabt, die später zur Anzeige führte. Der Raiffeisen-Vertreter im Verwaltungsrat sei laut Bank bei dem Geschäft, in dem es um die Aufarbeitung der Ära des Ex-Raiffeisen-Chefs Vincenz ging, in den Austsand getreten.

Schockierter Vincenz 

Im Rahmen der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Zürich haben die Behörden in Zusammenarbeit mit den Untersuchungsbehörden von St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden am Dienstag Hausdurchsuchungen am Wohnsitz und in den Büros von Vincenz sowie den weiteren beschuldigten Personen durchgeführt.

Vincenz schreibt in einer Stellungnahme, es sei «ein Schock» gewesen, als die Polizei vor der Tür stand. «Ich bestreite die gegen mich erhobenen Vorwürfe vehement», heisst es, und er werde sich mit allen Mitteln dagegen wehren.

Die Sache ins Rollen gebracht hatten zwei Enforcement-Verfahren der Finanzmarktaufsicht. Die Finma machte im Herbst bekannt, dass sie die Unternehmensführung der Genossenschaftsbank Raiffeisen untersuche. Sie hatte zudem eine Untersuchung gegen Pierin Vincenz als Person eröffnet, sie mittlerweile jedoch eingestellt.

Gänzlich fallen gelassen hat die Aufsichtsbehörde die Sache aber nicht: «Die Finma hat wie üblich mit den Strafbehörden kooperiert», teilt ein Sprecher am Mittwoch mit. Ob die Kooperation lediglich auf dem Austausch von Informationen beruht oder die Aufsichtsbehörde selbst strafrechtlich relevante Aspekte den Strafverfolgungsbehörden angezeigt hat, legt die Finma nicht offen.

Investnet-Beteiligung

Pierin Vincenz war bis 2015 Chef von Raiffeisen Schweiz und ist derzeit noch Verwaltungsratspräsident der Raiffeisen-Tochter Investnet, die auf der Seite Raiffeisen im Zentrum der Kritik steht.

An Investnet ist Raiffeisen seit 2012 beteiligt, und zwar über einen Aktientausch. Raiffeisen gab damals 40% an ihrer Tochter KMU Capital an Investnet und erhielt dafür 60% der Investnet-Aktien. Vincenz als Raiffeisen-CEO stieg im Oktober 2015 neben den bisherigen Partnern und der Raiffeisen offiziell als Teilhaber bei Investnet ein. Sein Anteil beläuft sich auf 15%.

Seit Montag ist bekannt, dass Raiffeisen die Einverleibung von Investnet rückgängig machen will.