Meinungen

Stresstest für die Anleger

Das Coronavirus wird der Weltwirtschaft auf weiteres Schaden zufügen. Anleger sollten aber nicht in Panik verfallen. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Alexander Trentin.

«Investoren sollten sich für weitere Hiobsbotschaften wappnen.»

Scheinbar hat das Jahr für die weltweite Industrie gut begonnen. Das zeigt als Konjunktur­signal der PMI-Einkaufsmanagerindex. Er hätte optimistische Prognosen der Ökonomen bestätigt. Doch ­wegen des Coronavirus sind Wirtschafts­indikatoren wie der PMI völlig überholt.

Das Wachstum in China wird wohl auf Monate hin Schaden nehmen. Auch die Weltwirtschaft gerät durch unterbrochene Lieferketten und blockierte Verkehrsflüsse in einen Stresstest. Der koreanische Autoproduzent Hyundai (HYUD 26.8 2.68%) beispielsweise hat schon angekündigt, wegen der Probleme mit der Lieferkette die Autoproduktion zeitweise auszusetzen. Mit einer breiten Erholung darf man erst rechnen, wenn eine weitere Verbreitung des Virus verhindert wird.

«Supply Shocks» – Störungen der Angebotsseite in der Volkswirtschaft – können durch die Geld- und Fiskalpolitik kaum ausgeglichen werden. Dadurch wird das Coronavirus Narben im Gewebe der Weltwirtschaft hinterlassen, auch wenn die Notenbanken und Staaten schnell reagieren. Anleger sollten sich wappnen, dass zumindest in den nächsten Wochen weitere Hiobsbotschaften als Folge der Epidemie auftreten werden.

Den neuen Ausblick kennen wir aus den letzten Jahren: Das Wirtschaftswachstum verlangsamt sich, die Stimmung an den Finanzmärkten wird nervöser, die Geldpolitik wird lockerer, und sichere Häfen bleiben beliebt. Nicht nur für die globale Industrie wird das Virus zum Stresstest, sondern auch für Anleger, die auf eine Erholung gesetzt haben. Wer standhaft bleibt und die Probe übersteht, könn­te belohnt werden. Wer sich aber zusammen mit der Masse defensiv positioniert, wird dafür einen Preis zahlen.

Leser-Kommentare