Unternehmen / Finanz

Strohmänner sind nicht verboten

Ukrainekrieg | Es geht bei den Sanktionen nicht nur um Oligarchen. Schweizer Gesellschaften müssen Farbe bekennen, und Verwaltungsräte sind gefordert.

Durchschnittsschweizer als willige Marionetten. Die Inhaberin eines Innerschweizer Beautyinstituts und der Betreiber eines Tätowiersalons waren Strohleute des russischen Oligarchen Suleiman Kerimow, wie der «Tages-Anzeiger» diese Woche geschrieben hat. Die Empörung ist verständlich – aber sie greift zu kurz.

Erstens sind Strohmänner nicht verboten. Das macht Sinn, denn der Nachweis ist in der Regel schwierig, und vor allem bringt er per se nichts. Relevant wird die Frage nach dem Strohmann bzw. nach dem tatsächlichen wirtschaftlich Berechtigten erst, wenn Gelder fliessen. Das geht im grossen Stil nur via Banken. Und da hat die Schweiz mit dem Geldwäschereigesetz und den Sorgfaltspflichten der Banken über die Feststellung des wirtschaftlich Berechtigten ein hinreichendes Instrumentarium, das anerkanntermassen dem Vergleich mit anderen Ländern standhält. In den vergangenen vier Jahren hat sich, gerade was die Überwachung von Sitzgesellschaften und komplexen Strukturen anbelangt, viel getan. Wir wissen nicht, ob die Vermögen von Kerimow irgendwo blockiert sind.

Jagd mit Regeln

Aus geschäftspolitischen Gründen sperren die Banken im jetzigen Umfeld lieber zu viele Gelder als zu wenige. Auch für die nicht sanktionierten Russen gelten Einschränkungen. Gemäss Recherchen der NZZ haben die Grossbanken UBS und CS Konten der Zuger Eurochem gesperrt, obwohl das Unternehmen selbst nicht auf den Sanktionslisten der Schweiz und der EU steht. Die Holdinggesellschaft des gleichnamigen russischen Düngemittelherstellers soll deshalb Mühe haben, die Löhne zu bezahlen.

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