Meinungen

Stromversorgung in Gefahr

Die hängige Gesetzesrevision bringt keine Versorgungssicherheit mit Strom. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Peter Morf.

«Die Schweiz hat ihr effizientes und umweltschonendes Stromversorgungssystem ohne jede Not verlassen und sich selbst massive Probleme eingebrockt.»

Die Dezentralisierung der Stromerzeugung sowie der Ausstieg aus der Kernkraft  bringen neue Probleme der Sicherheit der schweizerischen Stromversorgung mit sich. Der Bundesrat will sie im Rahmen der Energiestrategie 2050 bzw. der Energiewende mit einer Revision des Stromversorgungsgesetzes angehen. Die Versorgungssicherheit hat zwei Aspekte: die ausreichende Erzeugung von Strom bzw. den allenfalls nötigen Stromimport sowie die Stromübertragung, also die Netze.

Im Rahmen eines Mediengesprächs der BKW (BKW 115.60 -0.17%) am Freitag wurde klar, dass die Gesetzesrevision den Ansprüchen an die Netze und das Netzmanagement nicht gerecht wird. Die grossen Schwierigkeiten sind hier die volatile Produktion erneuerbarer Energien (Sonne, Wind), die im Zug ihrer Förderung sich dezentralisierende Stromproduktion sowie die steigenden Leistungsspitzen. Zunächst wird die auch von der BKW geforderte Trennung der Netze von der Produktion nicht sauber umgesetzt. So soll etwa gemäss der Gesetzesrevision die Grundversorgung durch den Netzbetreiber sichergestellt werden, was falsch ist. Weiter braucht es eine verursachergerechte Netztarifierung sowie eine konsequente Strommarktöffnung.

Diese ist im Gesetzesentwurf wohl vorgesehen, stösst aber gleich doppelt auf ­Widerstand. Politisch sprechen sich in erster Linie linke Parteien gegen die Strommarktöffnung aus. So ist es möglich, dass dieser Passus noch aus dem Gesetz fällt. Damit wäre auch ein Strommarktabkommen mit der EU gefährdet: ohne Markt­öffnung kein Abkommen mit der EU. Dieses wiederum hängt am Abschluss des ­institutionellen Rahmenabkommens zwischen der Schweiz und der EU. Sollte die Marktöffnung nicht gelingen, würde die Schweiz gemäss Urs Meister, im Hause BKW zuständig für Märkte und Regulierungen, vom europäischen Stromhandel faktisch abgeschnitten, was der Versorgungssicherheit nicht zuträglich wäre.

Weiter räumt auch der Bundesrat ein, dass es in der Schweiz, besonders für die Wintermonate, Back-up-Kraftwerke braucht, die allfällige Lücken rasch stopfen könnten. Hierfür wird der Bau von Gaskraftwerken nicht ausgeschlossen. Nur: Sie wären in der aktuellen Lage mit dem massiv subventionierten Ausbau der erneuerbaren Energien nie rentabel zu ­betreiben. Ein Anreiz für den Bau solcher Kraftwerke könnte nur in staatlichem Engagement bestehen; ob man diesem dann den Namen «Subventionen» gibt oder nicht, ist in der Sache eher unerheblich.

Die Situation ist absurd: Vor Fukushima verfügte die Schweiz über eines der sichersten Stromversorgungssysteme weltweit, und das erst noch nahezu CO2-frei. Mit dem überhastet proklamierten und vom Volk beschlossenen Ausstieg aus der Kernkraft und mit den schier grenzenlosen Subventionen für die erneuerbaren Energien sind die erwähnten Probleme überhaupt erst entstanden. Die Schweiz hat ihr effizientes und umweltschonendes Stromversorgungssystem ohne jede Not aufgegeben und sich selbst massive Probleme eingebrockt. Sie dürften ohne erhebliche volkswirtschaftliche und umweltpolitische Schäden kaum zu lösen sein.

Leser-Kommentare

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Martin Mäder 15.02.2021 - 18:18
Eine glasklare Darstellung der Situation, in die wir Stimmbürger in unserer Schwarmdummheit, motiviert vom Grübchenlächeln der damaligen Energieministerin, uns hineinmanövriert haben. Zentrale – vermutlich aber vergebliche -Frage: Wie kriegt man diese Erkenntnis in unsere Politikerhirne? Meine persönliche Vorsorge: ich installiere für mein Haus ein Notstromaggregat. Den dafür notwendigen – möglicherweise bald auch verbotenen Diesel – werde ich zu beschaffen wissen.… Weiterlesen »
Donat Fenner 15.02.2021 - 20:25
Den Ausstieg aus der Kernenergie halte ich für richtig da die Risiken zu gross sind. Japan hatte das Glück, dass der radioaktive Fallout auf den Pazifik geblasen wurde. In Europa mit mehrheitlich Winden aus Westen geht das nicht. Die einzige Möglichkeit zur Deckung der Winterlücke sind Gaskraftwerke, vorausgesetzt es gibt dann noch Firmen die Gaskraftwerke bauen und diese nicht auf… Weiterlesen »