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Unternehmen / Energie

Bund stellt sich gegen Kapazitätsmarkt im Stromsektor

Gemäss einer Studie des Bundesamtes für Energie (BFE) sind in den kommenden Jahren keine signifikanten Engpässe in der Stromversorgung zu erwarten.

(AWP/CC) In der Schweiz sind gemäss einer Studie des Bundesamtes für Energie (BFE) bis 2035 keine signifikanten Engpässe in der Stromversorgung zu erwarten. Eine zentrale Voraussetzung zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit sei die Einbettung der Schweiz in den gesamten europäischen Strommarkt.

Die Schweiz habe auf absehbare Zeit kein Leistungsproblem, hiess es am Freitag in einer Medienmitteilung zum Infrastrukturtag des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK). Entsprechend sei ein Kapazitätsmechanismus weder sinnvoll noch notwendig. Für ein solches Modell hatte sich der Stromkonzern BKW stark gemacht.

Die langfristige Versorgungssicherheit könne marktorientiert und im Verbund mit unseren Nachbarstaaten sichergestellt werden. Nur unter extremen Annahmen, wenn im europäischen Gesamtsystem Kapazitäten nicht verfügbar wären, würden ab 2025 in der Schweiz und den Nachbarländern im Winter verstärkt Versorgungsengpässe auftreten. Bei Reduktion der Produktion in den Nachbarländern könne bis 2030 die fehlende Lastdeckung durch betriebliche inländische Massnahmen kompensiert werden, schreibt das BFE weiter. Hingegen werde bei zusätzlicher Reduktion der Produktion der Schweiz diese Kompensation ab 2030 schwieriger.

Notwendige Stromimporte

Das BFE schätzt diese Szenarien jedoch als unwahrscheinlich ein, da die Nachbarländer im Rahmen ihrer Energiepolitik Massnahmen ergreifen würden, um die Reduktion der genannten konventionellen Kraftwerke mehrheitlich durch andere Erzeugungsquellen zu kompensieren. Die Ergebnisse der Studie zeigten die hohe Bedeutung der Übertragungskapazität und der Importe für die Schweizer Stromversorgung, heisst es weiter.

Die Einbettung der Schweiz in den gesamten europäischen Strommarkt sei eine zentrale Voraussetzung, um die Schweizer Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die geplanten Netzausbauprojekte in der Schweiz sowie in den Nachbarländern seien dabei wichtige Elemente.

«Zeitnaher» Abschluss des Stromabkommens

«Es ist in unserem Interesse, beim Stromhandel grenzüberschreitend zusammenzuarbeiten. Wird die Zusammenarbeit innerhalb der EU institutionalisiert, könnte die Schweiz den Anschluss verlieren», liess sich Bundespräsidentin Doris Leuthard in einem Communiqué des Umweltdepartements (UVEK) zitieren.

Die Stromversorgung der Schweiz müsse sicher sowie wirtschaftlich und umweltverträglich sein. Dabei sei der gegenwärtig tiefe CO2-Anteil am Schweizer Energiemix zu wahren, was einen Ausbau der erneuerbaren Energiequellen erfordere.

Mit der Umstellung auf erneuerbare Energien würden auch die Vorteile einer engeren Kooperation zwischen der EU und der Schweiz im Strombereich immer deutlicher, sagte Oliver Koch, der stellvertretende Referatsleiter im Generaldirektorat Energie der EU-Kommission, gemäss UVEK-Mitteilung.

So könnten Stromimporte aus der EU dazu beitragen, die Umstellung auf erneuerbare Energien ohne Versorgungsengpässe zu bewältigen. Die EU profitiere ihrerseits von dem gut ausgebauten Schweizer Stromnetz und den zahlreichen Wasserkraftwerken, die bei ausbleibendem Wind oder Sonnenschein als Puffer dienen könnten.

Erschwert werde die gemeinsame Nutzung des Verbundnetzes allerdings durch das Fehlen eines Stromabkommens. Da die Vorteile eines Abkommens aber Jahr für Jahr greifbarer würden, zeigte sich Koch zuversichtlich, dass es gelingen könne, ein solches Abkommen «zeitnah» abzuschliessen.

Pläne für weitere Marktöffnung

Wie das Nachrichtenportal «Energate» unter Berufung auf BFE-Vertreter berichtet, soll die weitere Strommarktöffnung in der Schweiz im Rahmen der Ausgestaltung des Strommarktdesigns in Angriff genommen werden. Dieses wiederum soll in die Revision des Stromversorgungsgesetzes (StromVG) integriert werden. Bis Ende 2018 soll die Vernehmlassungsvorlage dazu stehen.

Seit 2009 können Grossverbraucher ihren Stromlieferanten selber wählen. Wann der Strommarkt vollständig geöffnet wird, hänge von den Entwicklungen bei der Energiestrategie 2050, vom Marktumfeld und von den Verhandlungen zu einem Stromabkommen mit der EU ab, hiess es zuletzt vom UVEK.