Unternehmen / Schweiz

Strukturelle Anpassungen mit Folgen – Einmaliger Verlust von 42 Mio. Fr. – Eigenkapitalquote auf 47% verbessert – Aktien ohne Kaufreiz

Michael Romer

Die Gruppe Carlo Gavazzi muss die Redimensionierung auf das Elektronikgeschäft teuer bezahlen. Aus dem Verkauf des von hohen Risiken und geringen Margen geprägten Unternehmensbereichs Engineering and contracting
(Anlagenbau) resultierte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2001/02 (per Ende März) ein einmaliger Verlust von 42,5 Mio. Fr. Weil gleichzeitig die weitergeführten Aktivitäten Automation components und electronic packaging nur einen minimalen Gewinn von noch 2,1 Mio. Fr. erwirtschafteten, fällt das Ergebnis der Zuger Gruppe mit einem Minus von 40,4 Mio. Fr. entsprechend enttäuschend aus. Als Folge beantragt der Verwaltungsrat an der Generalversammlung am 26. September den Verzicht auf eine Dividende.
Die Radikalkur liess die Erlöse um über ein Drittel und die Bilanzsumme gar um die Hälfte schrumpfen. Gavazzi erreicht damit eine Unternehmensgrösse, die mit der vom Jahr 1996 vergleichbar ist. Die Ausgliederung der kapitalintensiven Anlagesparte brachte allerdings auch gute Seiten mit sich. Dadurch konnte Gavazzi zinspflichtiges Fremdkapital von 42 auf noch 33 Mio. Fr. zurückführen. In der Folge stieg die Eigenkapitalquote auf wieder stattliche 47% (32).
Das Management um Verwaltungsratspräsident Enzo Urbani und Finanzchef Felix Thöni taxierte den Zeitpunkt der Veräusserung an den Mailänder Industriellen Piero Rozzi zwar als ungünstig. Eine genauere Betrachtung der Zusammensetzung des einmaligen Verlusts beweist indes, dass der Befreiungsschlag unvermeidbar war. Das Manko der Sparte Anlagebau setzt sich aus einer Ausbuchung von Währungsdifferenzen über 17,3 Mio. Fr. (nach US Gaap) sowie einem Kapitalverlust von 15,7 Mio. Fr. zusammen. Weiter wies der Bereich einen operativen Verlust von 9,5 Mio. Fr. aus, während die weitergeführten Aktivitäten immerhin einen Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern von 6,1 (20,5) Mio. Fr. erzielten. Der Rückgang um 70% spiegelt dennoch die schwierigen Marktbedingungen. Das auf die USA ausgerichtete Electronic packaging war durch rückläufige Investitionen mit Kunden wie Lucent (50% vom Umsatz!) mehr betroffen als der Bereich Automation components, der das Gros der Einnahmen in Europa erwirtschaftet.
Im laufenden Geschäftsjahr sieht Urbani noch keine wesentliche Erholung. Im ersten Halbjahr 2002/03 per Ende September rechnet er mit einem Verlust von rund 3 Mio. Fr. Für das ganze Jahr werden ein leicht rückläufiger Umsatz und bestenfalls ein ausgeglichenes Ergebnis prognostiziert. Bis in drei Jahren glaubt Gavazzi die Einnahmen aus eigener Kraft auf 300 bis 350 Mio. Fr. zu steigern. Die Bruttomarge soll bis dann 35% (33) betragen, wie der per Ende 2002 scheidende Finanzchef Thöni erklärte.
Der verhaltene Ausblick in den verbleibenden Geschäftssparten verleiht den Inhaberaktien derzeit keine Impulse. Einzig eine Veränderung im Aktionariat – das durch die Familie Gavazzi beherrscht wird – könnte Schwung in den Kurs bringen. Ein Rückgang der Beteiligung auf 51% ist geplant. Wie der vonstatten gehen soll, ist dagegen unklar. Der Börsenkurs dürfte weder eine Kapitalerhöhung (ohne Teilnahme der Familie) noch eine über Aktien finanzierte grössere Akquisition zulassen. Es spricht derzeit wenig für Engagements in den Valoren.

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