Meinungen

Subventionen kürzen

Die landwirtschaftlichen Einkommen steigen markant. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Peter Morf.

«Ob die Produktion einbricht oder die Lager überschwappen - Väterchen Staat hilft.»

Die Landwirtschaft ist die am höchsten subventionierte und am besten gegen missliebige ausländische Konkurrenz geschützte Branche der Schweizer Wirtschaft. Pro Jahr fliessen ihr rund 3 Mrd. Fr. Direktzahlungen der öffentlichen Hand zu. Hinzu kommt der exzessive Grenzschutz, den die Konsumenten via künstlich überhöhte Preise bezahlen.

Derartige Massnahmen wären im Grundsatz allenfalls diskussionswürdig, wenn es dem durchschnittlichen Bauern wirklich schlecht ginge. Das ist in der Realität keineswegs der Fall, im Gegenteil: Die Landwirtschaft erfreut sich seit einigen Jahren wachsender Einkommen. Wie die neuesten Zahlen der Forschungsanstalt Agroscope zeigen, sind die landwirtschaftlichen Einkommen 2018 je Betrieb (1,3 Arbeitskräfte) im Schnitt gemessen am Vorjahr 4,1% auf 70 600 Fr. gestiegen. Für 2019 erwartet das Bundesamt für Statistik in der landwirtschaftlichen Gesamtrechnung einen weiteren Einkommenszuwachs von 2,9%. Der Schweizerische Bauernverband betitelt seine Reaktion: «Erfreulich: Einkommen leicht steigend».

Das Wörtchen «leicht» könnte Arbeitnehmer in anderen, nicht subventionierten Branchen verärgern: Kaum ein anderer Wirtschaftszweig konnte 2018 und kann 2019 mit derartigem Lohn- bzw. Einkommenszuwachs aufwarten. Es gibt im Gegenteil sogar Bereiche und Unternehmen, in denen sich die Löhne seit Jahren nicht bewegen.

Ein Bonmot besagt, dass man bei den Bauern lernt zu klagen. Auch wenn die Aussage polemisch zugespitzt erscheint, ist sie nicht ganz falsch. Ein gutes Beispiel dafür gibt der Weinbau ab. Wir erinnern uns: Im April 2017 setzte später Frost den Weinbergen in der ganzen Schweiz massiv zu, die Ernte fiel teils aus. Der Ruf nach staatlicher Hilfe erschallte rasch – und wurde erhört.

Im vergangenen Jahr wurden umgekehrt Rekordernten eingefahren – in Qualität und Quantität. Auch 2019 zeichnet sich eine starke Ernte ab. Weil die Lager vielerorts noch voll sind, wird nun abermals nach staatlicher Hilfe gerufen.

Wirtschaftsminister Guy Parmelin hat dafür ein offenes Ohr; er sicherte den Weinbauern Vermarktungshilfe zu. Nur nebenbei sei erwähnt, dass Parmelin selbst ehemaliger Weinbauer ist. Ob die Produktion einbricht oder ob die Lager überschwappen – Väterchen Staat hilft. Und das in der sogenannt marktwirtschaftlichen Schweiz.

Bemerkenswert ist auch das Gesamteinkommen eines landwirtschaftlichen Haushalts, also einschliesslich des ausserlandwirtschaftlichen Einkommens. Es erreichte 2018 im Schnitt 99 000 Fr., 2,8% mehr als im Vorjahr. Viele Arbeitnehmer in anderen Sektoren wären mit einem solchen Lohn mehr als zufrieden.

Der Bauernverband lamentiert dagegen über den nach wie vor grossen Einkommensrückstand der Landwirtschaft. Er weiss warum: Würde er euphorisch reagieren, wäre das zugleich ein Signal, dass in den Subventionen Spielraum nach unten besteht. Den gibt es, zumindest in den Talregionen, tatsächlich.

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