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Lange Zahlungsfrist für Sulzer

Analyse | Sulzer kauft eigene Aktien zu 109.13 Fr. Die Zahlungsfrist beträgt 188 Tage. Renova bewirkt VR-Mutationen bei Schmolz + Bickenbach.

Den Kauf von 5 Mio. eigenen Aktien aus dem Besitz des Grossaktionärs Victor Vekselberg kann Sulzer zum Preis von 109.13 Fr. abrechnen. Der Kurs entspricht dem volumengewichteten Durchschnittspreis der Handelstage vom 9. bis 13. April. Dieses Prozedere zur Ermittlung des Kaufpreises war zuvor mit Vekselberg ausgehandelt worden.

Nötig war die Transaktion geworden, weil die USA gegen russische Oligarchen, darunter Vekselberg, Sanktionen verhängt hatten. Unternehmen, die zu 50% und mehr im Besitz dieser Personen sind, unterstehen gemäss den US-Regeln den Sanktionen. An Sulzer hielt Vekselberg über seine Holding Renova bis letzte Woche über 60%. Entsprechend war auch Sulzer den Sanktionen unterworfen, was an die Existenz ging: Sie konnte keine Dollartransaktionen mehr abwickeln und bekam keine Aufträge mehr von Kunden aus den USA oder solchen, die auch in den USA tätig sind – was wohl für die Mehrheit zutrifft.

Die Aktientransaktion hat dazu geführt, dass sich Vekselbergs Beteiligung an Sulzer auf knapp 49% vermindert hat, Sulzer unterliegt den Sanktionen demnach nicht mehr, was die zuständige US-Behörde denn auch schon am Donnerstag letzter Woche bestätigt hat. Dass sich der Konzern so schnell aus den Sanktionen befreien konnte, war auch der Unterstützung der Schweizer Behörden zu verdanken, die den Kontakt zur US-Regierung gesucht und zugunsten Sulzers interveniert hatten.

Die Schweizer Holding von Vekselberg, Renova Management, und die russische Renova Group dagegen bleiben den Sanktionen unterstellt. Ihre Webseite ist seit letzter Woche nicht mehr zugänglich. Die Finanzierungsbedürfnisse der Gruppe dürften nur noch über russische Kanäle möglich sein. Wegen der Blockade wird Sulzer den Kaufpreis von 546 Mio. Fr. für das Aktienpaket nicht an Renova überweisen, sondern auf ein Sperrkonto einzahlen – aber nicht sofort. Sie kann sich dafür 188 Tage Zeit lassen, wie Sulzer-CEO Greg Poux-Guillaume letzte Woche gegenüber FuW erklärt hat. Dies entspricht der geltenden Regelung. Damit erhält Sulzer Zeit, die Finanzierung des Aktienkaufs einzufädeln.

Ein weiteres mit Vekselberg verbandeltes Unternehmen, Schmolz + Bickenbach (S+B), reagierte auf den US-Sanktionsdruck mit Änderungen im Verwaltungsrat. Obwohl die Beteiligung bloss 26% beträgt, S+B folglich nicht sanktioniert ist und die Sanktionsbedingungen nichts zur Zusammensetzung des Verwaltungsrats vorschreiben, tritt der Renova-Vertreter Wladimir Polienko zurück. Dazu hat VR-Präsident Edwin Eichler seinen Vertrag mit Renova gelöst, weshalb er nun als unabhängiger VR gilt. Jetzt figuriert bloss noch Marco Musetti als Renova-Vertreter im VR. Neu in den VR kommt zudem Isabel Corinna Knauf.

Die komplette Historie zu Sulzer finden Sie hier. »

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