Blogs / Momentum

Summers: «Das Fed darf die Zinsen nicht erhöhen!»

Es gibt handfeste Argumente, warum die US-Notenbank nächste Woche die Zinsen nicht erhöhen sollte. Das meint zumindest der ehemalige US-Finanzminister und Harvard-Ökonom Larry Summers.

Alexander Trentin

«Die Argumente gegen eine Zinserhöhung sind noch überzeugender als vor zwei Wochen», meint der ehemalige US-Finanzminister und einflussreiche Harvard-Ökonom Lawrence «Larry» Summers in einem Blog-Beitrag. Nächste Woche, am 17. September, könnte die US-Notenbank Fed die erste Zinserhöhung seit 2006 verkünden. Obwohl die Arbeitslosigkeit stetig sinkt und nur noch 5,1% beträgt, steht die Zinserhöhung aber noch nicht fest.

Laut Summers ist die Konjunktur in den USA jedoch nicht so stark, wie sie erscheint: Die Beschäftigung wachse weniger schnell, und die letzten Daten wiesen auf eine Konjunkturverlangsamung hin. Und nicht nur er denkt, dass die Konjunktur zu schwach ist, als dass es höhere Zinsen braucht. In einem Interview mit der «Financial Times» erklärt etwa der Chefökonom der Weltbank, Kaushik Basu, mit Blick auf die Schwellenländer, dass das Fed mit einer Zinserhöhung «Panik und Chaos» auslösen würde.

Inflation bleibt niedrig

Neben der Arbeitslosigkeit muss sich das Fed um die Inflation sorgen. Und diese sei weit davon entfernt, über die Zielrate von 2% zu steigen, meint Summers. Das Argument der Notenbanker ist, dass die niedrige Inflation importiert ist. Doch Summers glaubt das nicht. Vergleiche man die Inflation über verschiedene Sektoren, habe die Importabhängigkeit keine Relevanz. So sind auch die Preise im Transportgewerbe gesunken, obwohl dort so gut wie nichts importiert wird. Er untermauert sein Argument mit folgender Grafik. Sie zeigt, dass es zwischen Importanteil und Inflation in den einzelnen Segmenten keinen Zusammenhang gibt.

summers

Quelle: Washington Post

Die Märkte haben den Job schon gemacht

Die Finanzmärkte haben laut Summers den Effekt einer restriktiveren Geldpolitik bereits vorweggenommen. Wie das? Wegen der Turbulenzen am Aktienmarkt und höherer Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen können sich Firmen weniger günstig finanzieren. Die Kreditkonditionen für Unternehmen seien jetzt sogar schlechter als in früheren Perioden, als das Zinsniveau deutlich höher war. Summers analysiert: «Selbst wenn es eine Zinserhöhung von 0,25% vor zwei Wochen gebraucht hätte, um die Inflation einzudämmen – das ist jetzt nicht mehr der Fall.»

Zinsen nicht als Symbol erhöhen

Summers kritisiert das Argument der Befürworter einer Zinserhöhung, wonach eine einmalige Anhebung des Leitzinses der Wirtschaft nichts ausmachen würde. «Wenn eine Zinserhöhung von 0,25% keinen Effekt hat, warum sollte man es dann tun?», fragt er rhetorisch. Summers ist auch irritiert darüber, dass dieselben Leute argumentieren, eine Zinserhöhung sei wichtig, um endlich aus der Nullzinspolitik herauszukommen. Sein Rat: Das Fed sollte nicht aus symbolischen Gründen die Zinsen erhöhen, sondern allein gemäss den verfügbaren Daten entscheiden.

Wir unterschätzen die Risiken

Die Lage für Chinas Wirtschaft ist unsicher, die Liquidität an vielen Märkten trocknet aus, und die Eurozone und Japan geben ihre lockere Geldpolitik der Wertpapierkäufe (Quantitative Easing, QE) nicht auf. Für Summers sind das alles Argumente, dass man die bestehenden Risiken nicht unterschätzen darf. Das Fed sollte lieber eine etwas zu hohe Inflation in Kauf nehmen, statt eine weltweite Krise zu riskieren.

«Nun muss das Fed tun, was für Entscheidungsträger am schwierigsten ist: stillstehen», schliesst er sein Plädoyer. Was Summers fordert, wird von den Finanzmarktteilnehmern bereits vorweggenommen. Die aus den Terminkontrakten auf die Federal Fund Rates ermittelte Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung ist in den vergangenen Wochen von über 50 auf 25% gesunken.

Leser-Kommentare