Meinungen

Sunrise ist mehr als eine Milchkuh

Nach dem gescheiterten UPC-Übernahmeversuch dauert es noch eine Weile, bis Normalität einkehrt. Ein Kommentar von FuW-Redaktorin Monica Hegglin.

«Freenet muss jetzt Verantwortung übernehmen.»

Business as usual sollte der Quartalsabschluss von Sunrise (SRCG 81.35 1.37%) suggerieren. Davon ist der Telecomanbieter aber weit entfernt. Der gescheiterte Versuch zur Übernahme des Kabelnetzbetreibers UPC wird bis zu 125 Mio. Fr. kosten. Dafür muss jemand geradestehen.

Verwaltungsratspräsident Peter Kurer steht in der Rangfolge zuvorderst. Trotz massivem Widerstand von Grossaktionär Freenet (FNTN 20.11 0%) hat er bis zuletzt für den Deal gekämpft und zu lange gewartet, um das Geschäft abzublasen. Das Ergebnis: CEO Olaf Swantee ist strategisch verbraucht, und es ist fraglich, ob er den Richtungswechsel zum Alleingang glaubwürdig vertreten kann.

Freenet, die 24,5% an Sunrise hält, hat den Machtkampf gewonnen. Jetzt muss sie aber aus der Rolle des opportunistischen Oppositionsaktionärs herausfinden und Verantwortung übernehmen. Das schliesst auch die Bereitschaft ein, in Sunrise mehr zu sehen als eine Milchkuh. Freenet-Chef Christoph Vilanek hat bisher vor allem zwei Dinge gezeigt: taktisches Gespür und strategische Flexibilität.

Im Gegensatz zu Sunrise-Präsident Kurer, der mit Macht, aber offensichtlich wenig Fingerspitzengefühl vorging, konnte Vilanek eine Welle der Unterstützung auslösen. Der Freenet-CEO hat aber auch mehrere bemerkenswerte Meinungsänderungen vollzogen. Zuerst kritisierte er die Transaktionsstruktur, dann den Preis für die Übernahme. Am Schluss war Freenet sogar ganz gegen Konsolidierung und für den Alleingang.

Freenets strategischer Slalom bringt Unsicherheit und ist mitverantwortlich dafür, dass der Aktienkurs von Sunrise nicht recht anziehen will und immer noch unter 80 Fr. liegt. Aus dem UPC-Abschlag ist ein Unsicherheitsabschlag geworden. Vielleicht hilft die Zeit – vermutlich aber nicht. Sunrise muss jetzt zeigen, wie die Alleingangstrategie genau aussehen soll und was sie kostet.

Wenn Vilanek in den nächsten zwölf Monaten wieder so häufig und so scharf die Meinung wechselt wie in den vergangenen zwölf, dann müssen sich die Sunrise-Aktionäre anschnallen.