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Sunrise-UPC: ISS stellt sich gegen Transaktion

Sunrise muss einen schweren Rückschlag einstecken. Der Stimmrechtsberater empfiehlt die Ablehnung der UPC-Übernahme.

Im Ringen um die milliardenschwere Kapitalerhöhung zur Finanzierung der Übernahme des Kabelnetzbetreibers UPC durch Sunrise (SRCG 82.65 -0.54%) regt sich weiterer Widerstand: Gemäss einer Analyse vom 9. Oktober, die «Finanz und Wirtschaft» vorliegt, empfiehlt der Stimmrechtsberater ISS, die bis zu 2,8 Mrd. Fr. schwere Kapitalspritze abzulehnen. Sunrise scheine zu viel zu bezahlen für eine Übernahme, deren langfristiger strategischer Nutzen fragwürdig erscheine, begründet ISS die Ablehnung. Damit wird ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters vom Donnerstagvormittag bestätigt.

Gemäss der ISS-Analyse würde die Akquisition Sunrise kurz- bis mittelfristig zwar einen strategischen Vorteil liefern. Langfristig sei das jedoch nicht offensichtlich, weil die Wettbewerbsfähigkeit des Kabelnetzes gegenüber Fiberglas und 5G «fraglich» sei. Die angekündigten Synergien erachtet ISS hingegen als «realistisch», auch mit Blick auf vergleichbare Transaktionen. Bezüglich Integrationsbemühungen nach dem Zusammenschluss sieht ISS ebenfalls keinen Grund zur Sorge.

Eine Sunrise-Sprecherin erklärte gegenüber Reuters, der Konzern prüfe die Einzelheiten der ISS-Empfehlung und werde diese zu gegebener Zeit kommentieren. An der Börse kommt die Ablehnung gut an: Die Sunrise-Aktien gewinnen bis zum frühen Nachmittag fast 3%.

«Exzessiver» Transaktionspreis

Die Hauptkritik von ISS betrifft die Bewertung der Transaktion. Einerseits sei die Marktreaktion auf den Deal ausgesprochen negativ ausgefallen. Andererseits kommt ISS gemäss eigenen Berechnungen für UPC auf einen Unternehmenswert zwischen 4,6 und 5,2 Mrd. Fr, wenn die Performance von UPC entsprechend der von vergleichbaren Kabelnetzbetreibern wäre.

«Der Transaktionspreis von 6,3 Mrd. Fr. erscheint angesichts der operativen Probleme von UPC exzessiv», schliesst ISS. Besonders im Vergleich zu Kabelnetz-Deals, die Verkäuferin Liberty Global (LBTYA 23.24 2.47%) in Deutschland und Osterreich abgeschlossen habe.

Angesichts der schlechten Performance der Sunrise-Titel seit Ankündigung des Deals und der soliden operativen Leistung von Sunrise im ersten Halbjahr erachtet ISS die Ablehnung der Transaktion deshalb als vertretbar, mit eingeschränktem Negativrisiko für die Aktien.

Deal weiter auf der Kippe

Die insgesamt 6,3 Mrd. Fr. schwere Übernahme steht auf der Kippe. Wichtige Aktionäre hatten angekündigt, bei der für 23. Oktober geplanten ausserordentlichen Generalversammlung gegen die geplante Kapitalerhöhung zu stimmen, mitunter Hauptaktionär Freenet (FNTN 15.93 1.21%) (24,5% der Aktien). Und die Ablehnung von ISS hat Gewicht. Viele Pensionskassen und Anlageeinrichtungen folgen dem einflussreichen Stimmrechtsberater.

Zu Beginn der Woche hatten sich mit Ethos und Inrate zwei einflussreiche Schweizer Stimmrechtsberater dagegen auf die Seite von Sunrise geschlagen. Die Empfehlung des Stimmrechtsberaters Glass Lewis steht noch aus. ISS will den definitiven Bericht am Freitag veröffentlichen.

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