Meinungen

Sunrise vor Scherbenhaufen – so oder so

Wie auch immer die ausserordentliche GV von Sunrise ausgeht, der Weg zurück zur Normalität ist weit. Ein Kommentar von FuW-Redaktorin Monica Hegglin.

«Gewinnen am Mittwoch die Gegner der Sunrise-Führung die Abstimmungen, muss Sunrise sich strategisch neu ausrichten – unter der Leitung eines dezimierten und desavouierten Verwaltungsrats.»

Diese Woche entscheiden die Sunrise-Aktionäre, ob sie ihrem Unternehmen das Kapital für den Kauf des Kabelnetzbetreibers UPC zur Verfügung stellen wollen oder nicht. Gleichzeitig dürfte sich die Zukunft von Peter Kurer als Verwaltungsratspräsident von Sunrise (SRCG 77.05 -2.34%) entscheiden, denn die Gegner des UPC-Deals haben zusätzlich die Traktandierung seiner Abwahl erzwungen.

So oder so wird ein Scherbenhaufen zurückbleiben, den es aufzuwischen gilt. Sollten die Aktionäre dem Deal zustimmen, muss Sunrise einen Ausweg suchen, um den verärgerten und finanziell herausgeforderten Hauptaktionär Freenet (FNTN 17.955 -6.46%) loszuwerden. Treffen Peter Kurers Äusserungen zu, fehlt Freenet das Geld, um bei der Kapitalerhöhung mitzuziehen. Freenet müsste eigentlich auch aussteigen, weil sie die Strategie von Sunrise nicht unterstützt. Die Zusage der UPC-Verkäuferin Liberty Global (LBTYA 19.99 -2.54%), ebenfalls frische Sunrise-Aktien zu zeichnen, würde das Problem der Kapitalerhöhung teilweise lösen. Was mit dem Freenet-Paket passiert, bliebe jedoch offen und kann Sunrise nicht egal sein.

Gewinnen am Mittwoch allerdings die Gegner der Sunrise-Führung die Abstimmungen, muss Sunrise sich strategisch neu ausrichten – unter der Leitung eines dezimierten und desavouierten Verwaltungsrats. Ein neuer VR-Präsident müsste ernannt, wahrscheinlich müssten auch Abgänge im Management verkraftet werden.

Völlig unklar ist in beiden Fällen, was mit den zwei Freenet-Vertretern im Sunrise-Verwaltungsrat geschieht, Christoph Vilanek und Ingo Arnold. Verwaltungsratspräsident Peter Kurer hat sie von allen Diskussionen über die geplante UPC-Transaktion ausschliessen lassen, weil sie in einem Interessenkonflikt stünden. Zudem hat er eine interne Untersuchung gegen die beiden eingeleitet wegen Verdachts auf Verstoss gegen die Treuepflicht. Das Verhältnis zwischen Kurer und Vilanek scheint sowohl auf sachlicher wir auf persönlicher Ebene zerrüttet.

Gegen VR-Entscheide wie die Suspendierung gibt es keine Rekursmöglichkeit. Würde Kurer abgewählt, würde der restliche Verwaltungsrat die beiden Freenet-Vertreter einfach wieder in den VR einziehen lassen, wie wenn nichts gewesen wäre? Übernähme Freenet im Sunrise-VR vielleicht gar eine Führungsrolle? Das ginge ja wohl schlecht. Vor dem Übergang zur Tagesordnung muss bei Sunrise noch einiges geklärt werden.