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Unternehmen / Finanz

Superjahr für das Pensionsvermögen

Die Pensionskassen haben 2017 Traumrenditen erzielt. Dass sie wenig davon weitergeben, stösst auf Unverständnis.

Josef Zopp und Adrian Bienz

Der mit Abstand wichtigste Performancetreiber waren 2017 die Aktienmärkte. Sie kannten nur eine Richtung: aufwärts. Während sich auch Immobilien wie in den Vorjahren positiv entwickelten, liess sich mit Frankenobligationen kaum Geld verdienen. Auf Anleihen in Fremdwährungen hing die Rendite davon ab, ob und in welchem Umfang das Währungsrisiko abgesichert war. Fazit ist, dass Pensionskassen mit einer hohen Aktien- und Immobilienquote 2017 zu den Gewinnern gehörten.

Die untersuchten teilautonomen Kassen erzielten eine Performance von durchschnittlich 7,6%. Damit übertrafen sie sowohl den Pictet-BVG-25plus-Index (5,2% Performance) als auch die Sollrendite von durchschnittlich 2,3% deutlich.

Aus 7,6% Rendite nur 2,4% Zins

Wie viel davon als Zins auf den Konten der Versicherten landete, machten die Vertreter von Beschäftigten und Arbeitgebern im Stiftungsrat miteinander aus. Der vom Bundesrat festgelegte BVG-Mindestzins für 2017 stand auf 1%. Er darf nur unterschritten werden, wenn eine Pensionskasse zu knapp finanziert ist. 2017 wurden die Altersguthaben der befragten Kassen im Schnitt mit 2,4% verzinst. Über die letzten zehn Jahre errechnet sich ein Durchschnitt von 2,2% – gegenüber dem BVG-Mindestzins von 1,75% für den Zeitraum.

Die Beschäftigten haben alles Interesse an einer grosszügigen Zinsgutschrift. Besonders für jüngere Menschen ist der Vorsorgezins bedeutsam, weil er das individuelle Vorsorgeguthaben auf Jahre hinaus steigert – dieser Effekt ist jedenfalls bedeutsamer als der Blick auf den aktuellen Rentenumwandlungssatz der Kasse. Der Rentensatz wird bis zur Pensionierung der heute Jungen mit einiger Wahrscheinlichkeit nach unten angepasst.
Aufsichtsrechtliche Vorgaben begrenzen die Höhe des Jahreszinses, weil die Reservepolster vieler Kassen nicht vollständig gefüllt sind. Der Zinsentscheid ist eine Abwägung zwischen der Verteilung auf die Versichertenkonti und der Stärkung von Reserven und Deckungsgrad. Im vergangenen Jahrzehnt musste nach der Finanzkrise primär die finanzielle Stabilität zurückerlangt werden.

Der andere Knackpunkt des Systems liegt darin, dass die Altersgruppen von den Anlagerisiken unterschiedlich betroffen sind. Wer schon Rente bezieht, hat sie auf sicher und muss auf dem Kapital, das die Rente finanziert, keine Anlagerisiken selbst tragen. Aktive Versicherte müssen hingegen in schlechten Börsenjahren allenfalls eine Nullzinsrunde in Kauf nehmen oder gar Lohnbeiträge zur Sanierung einer Unterdeckung leisten. Zudem können sie jederzeit von der Einführung neuer versicherungstechnischer Grundlagen negativ getroffen werden.


Avanea schlägt Profond

Wie die Umfrage zeigt, bewegten sich die Anlagerenditen der meisten teilautonomen Kassen für das vergangene Jahr im Bereich von 6 bis 8%. Drei Ausreisser stechen ins Auge: die Pensionskasse Avanea mit 14,97%, Profond mit 11,32% und Spida mit 9,3%. Avanea hat die Mitbewerber mit dem Doppelten der Durchschnittsrendite förmlich überflügelt – auch die zweitplatzierte Profond mit ihrer traditionell sehr hohen Aktienquote. Wie die Top-Performance von Avanea zustande kam, bleibt auch nach Anfrage einer genauen Aufschlüsselung der Performance schleierhaft.

Unterstellt man für den Aktienteil des Vermögens eine Marktrendite von 20%, resultiert ein Renditebeitrag von zirka 8%. Über die Quelle der verbleibenden 7 Prozentpunkte Performance lässt sich nur spekulieren. Gemäss Auskunft von Avanea ist das überdurchschnittliche Anlageergebnis hauptsächlich auf die Aktien zurückzuführen. Zum Erfolg beigetragen hätten eine sehr aktive, auf Einzeltiteln basierende Strategie sowie das taktische Ausnutzen kurzfristiger Marktschwankungen.

Am Ende der Performancerangliste sind Alvoso, Gemini und Copré, obwohl sie mit einer Rendite von gut 5% den Pictet-BVG-25plus-Index egalisiert haben. Der reine Performancevergleich hinkt allerdings, da die Renditezahlen nicht risikoadjustiert sind. Ausser der Aktienquote zählen der Immobilienanteil, die Gewichtung der Alternativanlagen, der Umfang nicht gesicherter Fremdwährungsanlagen sowie der durchschnittliche Verfall des Obligationenbestands (Duration).

Hier zeigen sich sehr grosse Unterschiede zwischen den Kassen. Der Aktienanteil in den Portfolios liegt zwischen 19% bei PK pro und 52% bei Profond. Unterschiedlich ist auch die Positionierung in Alternativanlagen. Sie haben bei den Pensionskassen weiterhin einen schweren Stand, konnten sich aber im Berichtsjahr immerhin von einem durchschnittlichen Vermögensanteil von 7,3 auf eine Quote von 8,9% verbessern.

Versicherer im Nachteil

Im Gegensatz zu den teilautonomen Pensionskassen bieten die garantierten Versicherungslösungen einen Kapitalschutz, der eine konservative, risikoarme Anlagepolitik verlangt. Entsprechend verzichten diese Anbieter fast gänzlich auf Aktienanlagen, was ihre niedrige Rendite erklärt. Allianz (ALV 187.24 0.29%) Suisse erzielte 2017 mit 2,37% das beste Anlageresultat.

Im Langfristvergleich liegen die teilautonomen Kassen klar vor den Vollversicherungen. Spitzenreiter im Zehnjahresvergleich ist Nest mit 4,1% Rendite, dicht gefolgt von Spida mit 3,97% und Noventus Collect mit 3,91%. Ein Vergleich mit den 3,8% Durchschnittsrendite des Pictet-BVG-25-Index zeigt, dass sich die aktive Anlageverwaltung nicht bei allen Vorsorgeträgern gelohnt hat.

Swiss Life (SLHN 359.2 0.42%) erzielte als bester Vollversicherer im Zehnjahresschnitt 2,94%. Im Gegensatz zu den teilautonomen Kassen weisen die Versicherer die Renditen nicht zum Marktwert, sondern zum Buchwert aus. Diese Praxis erlaubt, die Jahresergebnisse zu glätten. Die teilautonomen Kassen sind hingegen voll den Marktschwankungen ausgesetzt.

Der Indexvergleich ist jedoch tückisch. So enthält ein Referenzindex keinerlei Kosten. Investiert wird Monat für Monat in die vorgegebenen Anlageklassen, ohne Rücksicht auf die aktuellen Gegebenheiten. Indexgläubigkeit ist gefährlich, wenn dabei gesunder Menschenverstand zu kurz kommt. Der Referenzindex ist eine Orientierungshilfe bei langem Anlagehorizont – nicht mehr und nicht weniger.
Die Pensionskasse Nest investiert seit Jahren nachhaltig und widerlegt damit das Vorurteil vieler, dass Nachhaltigkeit auf Kosten der Rendite gehe.

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