Unternehmen / Konsum

Swatch-Group-Chef Hayek sieht keine Krise für die Uhrenindustrie

Der CEO des Schweizer Uhrenkonzerns hat der «SonntagsZeitung» gesagt, wie es um bestimmte Marken steht. Er gesteht Versäumnisse ein.

(AWP) Uhrenkonzerne wie Swatch oder Richemont (CFR 65.22 6.99%) leiden stark unter der Ausbreitung des Coronavirus. Von Weltuntergangsstimmung will Swatch-Chef Nick Hayek aber nichts wissen.

«Wir sind eine grundsolide Gruppe ohne Schulden und nicht infiziert vom Virus der Kurzfristigkeit der Börse», sagte er in einem Interview mit der «Sonntagszeitung». «Trotz aller Weltuntergangspropheten wird sich auch diese Situation wieder verbessern.»

Da Swatch eine sehr starke Marktposition in China hat, sei man aber natürlich massiv von den temporären Schliessungen von Hunderten von Läden betroffen. Auf der Lieferketteseite hingegen sehe der Konzern weniger Probleme, da Swatch sehr vieles selbst in der Schweiz produziert.

«Ich sehe keine Krise»

Auch insgesamt steht die Branche laut Hayek nicht vor einer neuen Krise: «Ich sehe keine Krise für die Schweizer Uhrenindustrie. Im Gegenteil sogar», sagte er – neben dem Coronavirus auch angesprochen auf abnehmende Exporte oder Themen wie Smartwatch.

Seit 2010 sei das mittlere und obere Segment bei der Swatch Group (UHR 206.7 2.23%) mit sieben Marken von Tissot bis Longines um über 36% gewachsen, auf weit über sechs Millionen Stück. Tissot alleine – und das sei das erste Mal, dass er das publik mache – sei seit 2010 um mehr als 30% auf rund 3,6 Mio. Stück gestiegen. Den einzigen starken Rückgang im Volumen habe Tissot im vergangenen Jahr verzeichnet, mit einem Rückgang von rund 250’000 Stück im zweiten Halbjahr wegen der Proteste in Hongkong.

In den USA wiederum habe Tissot aber letztes Jahr 36% mehr Uhren verkauft als 2015. Und auch in Japan sei die Marke 2019 volumenmässig um 33% gewachsen gegenüber 2015.

Im Onlinehandel zu langsam

Im untersten Marktsegment, wo Swatch, Calvin Klein und Balmain zu finden sind, sei zwischen 2015 und 2019 derweil weniger verkauft worden. Ein grosser Anteil gehe auf Balmain und Calvin Klein zurück, wobei letztere keine eigene Marke sei und bald nicht mehr Teil der Gruppe sein werde, sagte Hayek. Auch Swatch habe im Vergleich zu 2015 rund 25% weniger Uhren verkauft, liege aber immer noch bei weit mehr als 5 Mio. Stück pro Jahr.

Gleichzeitig gestand Hayek auch Versäumnisse ein: «Wir haben bei Swatch nicht schnell genug auf E-Commerce fokussiert.» Seit 2015 seien rund 30 Prozent des Vertriebsnetzes geschlossen worden, weil viele Warenhäuser und Händler durch das Onlinegeschäft verdrängt worden sind. Swatch hätte durch ein aggressiveres Umschalten auf E-Commerce schneller reagieren sollen und müssen. Aber: «Das macht sie jetzt, und zwar erfolgreich.» Man sei in diesem Jahr auf gutem Weg, die Millionengrenze im Onlineverkauf zu knacken.

Auch Stellen sind in Gefahr, aber ein grosser Stellenabbau droht Hayek zufolge nicht: Wahrscheinlich werde es im Zuge des Auslaufens der Lizenzvereinbarung mit Calvin Klein im unteren Segment einen Abbau geben. «Aber sonst sehen wir im Moment keinen Handlungsbedarf.»

Leser-Kommentare

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Salim Shashoua 09.03.2020 - 10:48

Nick Hayek should be realistic in his forecasts which is foreign to his comments in recent times.
In my opinion, in the financial community he has lost credibility.