Zum Thema: Apple verlangt für die Watch bis zu 17 000 $

Swatch und Co. kontern die Herausforderung aus der IT-Branche

Intelligente Uhren erweitern das Angebot mancher Hersteller. Uhrenaktien dürfen nicht abgeschrieben werden.

Die Schweizer Uhrenindustrie ist nicht untätig geblieben, seit Apple (AAPL 325.12 0.55%) den Eintritt auf den Uhrenmarkt beschlossen hat. Im Vorfeld zur Uhrenmesse Baselworld, die nächste Woche eröffnet wird, stellen mehrere Hersteller eigene Smartwatches vor.

Am meisten Aufmerksamkeit wird Swatch Group (UHR 201.4 -1.52%) zuteil. CEO Nick Hayek hat sich auch schon pointiert herablassend zu den Ambitionen von Apple geäussert, aber gleichzeitig immer die eigenen Projekte und das Know-how in der Batterietechnologie herausgestrichen. Noch diese Woche (am 12. März) soll eine Smartwatch präsentiert werden, die mittels NFC-Technologie (Near Field Communication) als kontaktloses Zahlungsmittel an der Kasse eingesetzt werden kann. Erst vor kurzem wurde die Swatch Touch Zero vorgestellt, eine Uhr mit Spezialfunktionen für den Beachvolleyballsport.

Mit Marken wie Swatch oder Tissot im unteren Preissegment wird der grösste Schweizer Uhrenhersteller als besonders verwundbar betrachtet. Wegen dieser Einschätzung durch den Markt hat der Aktienkurs 2014 erheblich gelitten. Die Folgen des Hypes für die Ertragsrechnung sind allerdings schwierig abzuschätzen, zumal eben die beiden herausgeforderten Marken ihre eigenen multifunktionalen Uhren entwickeln. Deshalb sieht Nick Hayek in diesen weniger die Gefahr einer Kannibalisierung als die Chance zu einer Erweiterung des Uhrengeschäfts.

Vorteile für Swatch-Marken

Der Bieler Konzern hat gegenüber der Konkurrenz den Vorteil, elektronische Komponenten und Sensoren inhouse herstellen zu können. Andere Hersteller sind zur Zusammenarbeit mit Unternehmen, auch aus dem Silicon Valley, gezwungen.

Dazu gehörte etwa Mondaine, die im Besitz der Brüder Bernheim ist. Sie kauft die Bauteile bei Manufacture Modules Technologies (MMT) ein, einem Gemeinschaftsunternehmen des Genfer Uhrenproduzenten Frédérique Constant und des kalifornischen Sensorspezialisten Fullpower. Die Smartwatch auf der Basis der Linie Mondaine Helvetica wurde Ende Februar vorgestellt. Funktionen wie Schrittzähler und Schlafmessung können genutzt werden, ohne dass der Träger auf das gewohnte Gesicht einer Uhr verzichten muss. Der Preis dürfte zwischen 500 und 1000 Fr. liegen. Frédérique Constant wiederum entwickelte zusammen mit MMT eine Smartwatch, die Sensortechnik mit dem Design einer klassischen Armbanduhr vereint.

Die zum Richemont-Konzern gehörende Montblanc hat für Sommer 2015 das Modell «TimeWalker Urban Speed e-Strap» angekündigt. Eine mechanische Uhr erhält ein ins Armband integriertes elektronisches Modul «e-Strap». Dieses ist diskret platziert (wo sich der Armbandverschluss befindet) und stiehlt der Uhr nicht die Show. Via Bluetooth ist es mit dem Mobiltelefon verbunden.

Tag Heuer, die zur französischen LVMH (MC 387.55 -1.17%) gehört, ist mit der Entwicklung noch nicht so weit wie die oben genannten Hersteller. Man will demnächst Partnerschaften mit Grosskonzernen aus der Mikroprozessortechnik bekanntgeben. Bis Ende Jahr soll die neue Uhr auf den Markt kommen. Unter 1000 Fr. dürfte sie nicht zu haben sein, positioniert LVMH-Uhrenchef Jean-Claude Biver das Modell.

Ausgebautes Luxussegment

Die Schweizer Uhrenindustrie exportierte im vergangenen Jahr gemäss Ausfuhrstatistik 28,5 Mio. Uhren im Gesamtwert von 21 Mrd. Fr. Uhren mit einem Produktionspreis über 3000 Fr. hatten 2014 einen Anteil von nahezu zwei Drittel am gesamten Exportwert. Sie dürften gegen die neue Konkurrenz aus den USA und aus Asien resistent sein.

Uhren mit Herstellkosten unter 500 Fr. machten rund 13% der Gesamtsumme aus. Das relativiert den Gefährdungsgrad durch die Handgelenkcomputer. Uhrenaktien abzuschreiben, ist jedenfalls die falsche Haltung.