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Swiss-Life-CEO: «Die Marge für 30 Jahre gesichert»

Patrick Frost, Konzernchef von Swiss Life, kann den Lebensversicherer selbst bei niedrigsten Zinsen dauerhaft profitabel halten.

Der Versicherer Swiss Life wird dieses Jahr alle Finanzziele erreichen, meldete das Management am Donnerstag im Rahmen einer Investorentagung. Das Kapitalerfordernis der Finanzmarktaufsicht wird 1,9-Fach erfüllt. Nun will das Unternehmen grosszügiger zu den Aktionären werden, wie Konzernchef Patrick Frost im Interview erklärt.

Herr Frost, Sie und das Managementteam haben neu die Zielmarken für den Zeitraum bis 2021 gesetzt. Welche Überlegungen stehen dahinter?
Wir müssen Swiss Life nicht neu erfinden. Unsere Strategie und die Ausrichtung bewähren sich. Nun legen wir die Latte höher. Unsere Ambition ist, bis in drei Jahren 50% zusätzliche Kommissionseinnahmen und einen 60% höheren Wert des Neugeschäfts vorzuweisen.

Wieso streichen Sie das 2-Mrd.-Fr.-Cashflow-Ziel besonders hervor?
Weil alles darin kulminiert. In den nächsten drei Jahren werden wir eineinhalbmal so viel Cashflow erarbeiten, wie wir uns in den letzten drei Jahren bis 2018 zum Ziel gesetzt hatten. Und dieser Geldfluss ist für Investitionen und Dividenden ausschlaggebend. Die Geschäftspläne unserer operativen Einheiten machen mich zuversichtlich, dass wir das Ziel schaffen.

Wieso finden sich Marktanteil und Expansionstempo nicht unter den Zielen?
Für Erfolg mit Lebensversicherungen ist etwas anderes wesentlicher: dass bei den oft Jahrzehnte laufenden Policen über die ganze Dauer das Ergebnis stimmt. Ein striktes Volumenziel wäre bei unserem Schwerpunkt auf Vorsorgelösungen fatal. Für Anbieter von Schadenversicherungen mag es dienlich sein.

Was ist mit Akquisitionen oder dem Aufbau weiterer Geschäfte und Marktgebiete?
Die angepeilten Verbesserungen können wir aus eigener Kraft erreichen. Dennoch schauen wir uns innerhalb bestehender Aktivitäten nach kleineren oder mittleren Unternehmen um. Erfolg ist eng verknüpft mit dem Engagement der Mitarbeitenden und einer effektiven Organisation. Zukaufen werden wir deshalb nur, wenn alles passt – finanziell wie kulturell.

Swiss Life verspricht, künftig einen grösseren Teil des Gewinns als bisher auszu­schütten. Swiss Re und Zurich gehen in ­dieser Hinsicht noch wesentlich weiter.
Als reiner Lebensversicherer haben wir viel mehr lang laufende Policen auf der Bilanz. Der Initialaufwand für solche Kontrakte wird durch Ergebnisanteile erst während manchmal mehrerer Jahrzehnte wieder eingespielt. Mit unserer erhöhten Zielquote für die Ausschüttung stehen wir aber im internationalen Vergleich zu anderen Versicherern gut da.

Ist wegen der langen Vertragsdauer vieler Policen Ihr Unternehmen nicht besonders verwundbar, falls die Niedrigzinslage ein weiteres Jahrzehnt anhält?
Ich hatte anfänglich auch befürchtet, dass unsere Ergebnisse wegen der niedrigen und teils negativen Zinsen unter Druck kommen würden. Wir haben jedoch 7 Mrd. Fr. Zinsrückstellungen gebildet. Nun sinkt der Garantiesatz auf dem Policenbestand parallel zur Erosion der laufenden Anlagerendite. Die Zinsmarge bleibt so über die kommenden 30 Jahre gesichert.

Swiss Life verwaltet in Mandaten und Fonds bereits mehr als 60 Mrd. Fr. Gelder von Dritten. Nun wollen Sie noch stärker in dieses Bankgeschäft eindringen.
Wir bewegen uns nur am Rand im Publikumsbankgeschäft. Zum überwiegenden Teil sind unsere Anlagekunden Pensionskassen und andere Institutionen. Sie haben einen vergleichbaren Investmentbedarf und ähnliche Herausforderungen und Ansprüche wie wir. Deshalb sind wir oft der glaubwürdigere Anlagepartner.

Wie gross wird Ihr Asset Management?
Wir haben die Zielmarke der betreuten Gelder von anfänglich 8 Mrd. Fr. in Etappen bereits auf 50 Mrd. aufgestockt. Nun wollen wir bis 2021 auf 100 Mrd. für Dritte verwalteter Vermögen kommen.

UBS-Schweiz-Chef Axel Lehmann wirft der Versichererbranche vor, sie würde Hypothekarkredite wegen leichterer Eigenkapitalanforderungen ohne genügende Vorsicht gewähren.
Der Vorwurf ist völlig aus der Luft gegriffen. Versicherer müssen beim Gewähren von Hypothekardarlehen ähnlich viel Eigenkapital wie Banken unterlegen. Wir sind eben ideal für langlaufende Festhypotheken, weil uns die Versicherungskunden ihre Gelder für eine ebenso lange Dauer anvertrauen.

Die Kritik ärgert Sie sichtlich.
Ja, auch noch aus einem anderen Grund. Alle Versicherer zusammen haben seit Jahren nur etwa 4% Marktanteil am Schweizer Hypothekarmarkt. Da müssten wir für die Banken doch Quantité négli­geable sein. Es sind die Regional- und Kantonalbanken, die im Hypogeschäft seit Jahren um das Zehnfache stärker zulegen als wir, zulasten der Grossbanken.

Wagemutig sind aber doch die Investments mancher Versicherer in Start-ups und Fintech-Firmen. Wie halten Sie es damit?
Swiss Life investiert geringe Beträge und Kapitalanteile, um zu lernen mitzuverdienen und Kooperationsmodelle zu entwickeln. Unseren Kapitalanteil am KMU-Softwareanbieter Bexio haben wir bereits weiterverkauft, weil Versicherer Mobiliar dafür einen attraktiven Preis bot. Dennoch sind Bexio und Swiss Life Vertriebspartner geblieben. Das geht auch unabhängig von den Besitzverhältnissen.

Den Aktienrückkauf für 1 Mrd. Fr. begründen Sie damit, die aus einer Wandelanleihe entstandenen zusätzlichen Aktien wieder einzuziehen. Steht aus anderen Anleihen eine erneute Kapitalverwässerung bevor?
Nein, es droht keine erneute Kapitalverwässerung. Die Wandelrechte sind allesamt ausgeübt worden, weil seit der Emission der Anleihe unser Aktienkurs markant gestiegen ist. Wir finanzieren das Rückkaufprogramm aus dem grossen Cashbestand der Holding und auch, weil Swiss Life den Solvenztest der Finma mit grossem Abstand besteht.

Die Finanzmarktaufsicht hat das Solvenzmodell überarbeitet und standardisiert. Haben Sie nun nichts mehr zu mäkeln?
Das neue Standardmodell macht für uns die Höhe und mögliche Veränderungen des Kapitalerfordernisses berechenbar. Aber unsere Konkurrenten aus dem EU-Raum müssen lediglich das europäische Solvenz-II-Modell erfüllen. Unter Anwendung gleicher Vorgaben wäre unsere Solvenzwertung gut und gerne 40 bis 80 Punkte besser. Hier bleibt meine Kritik hart. Unsere Aufsichtsbehörde sollte ihre Anforderungen der EU-Norm angleichen.

 

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