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Swiss Life schafft einen Grössensprung

Analyse | Der Versicherer stemmt die Semestereinnahmen 31% auf 14 Mrd. Fr. Der Gewinn legt nur 10% zu. Was dahinter steckt.

Der Versicherer Swiss Life (SLHN 489.5 0.33%) schafft im ersten Semester einen Grössensprung. Die Einnahmen kletterten 31% auf 14 Mrd. Fr. Der Betriebsgewinn legte nur 3,8% auf 830 Mio. Fr. zu. Wesentlicher Grund ist ein grosses Einmalvolumen mit Lösungen der beruflichen Vorsorge für KMU-Kunden, das nur wenig rentabel ist.

Konzernchef Patrick Frost sagte an der Semesterkonferenz, nächstes Jahr würde sich die Volumenentwicklung wieder «normalisieren».

Steuerrückstellungen aufgelöst

Der Semesterüberschuss stieg von 561 Mio. auf 617 Mio. Fr. Rund 30 Mio. stammen aus der Auflösung von Steuerrückstellungen. Nach der Volksabstimmung über die Unternehmenssteuerreform vermindert sich die Steuerlast des Konzerns.

Frost lobte in seiner Präsentation die Qualität des Überschusses. Zum Gewinnplus habe das Ergebnis der versicherten Risiken ebenso beigetragen wie die Dienstleistungskommissionen und der Anlageertrag.

Zinsmarge bleibt erklecklich

Die knapp 160 Mrd. Fr., die Swiss Life als Teilaspekt der Vorsorge- und Lebensversicherungen in Obligationen, Immobilien und Aktien investiert, lieferten eine annualisierte Rendite von 2,8%. Die Zinsverpflichtung, die sich kumuliert aus allen Kundenverträgen ableitet, steht auf 1,2%. Die Zinsmarge bleibt erklecklich.

Mit Makler- und Vermögensdiensten erwirtschaftete das Unternehmen netto 260 Mio. Fr. bzw. ein Drittel des gesamten Betriebsgewinns. Swiss Life kassiert Gebühren für Versicherungsberatung, durch Bewirtschaftung von Liegenschaften anderer Eigentümer und aus der Vermögensverwaltung. Institutionelle und private Kunden haben Swiss Life zur Jahresmitte 79 Mrd. Fr. in Anlagefonds und Mandaten anvertraut; 12% mehr als sechs Monate zuvor.

Von Konkurrent Axa «geerbt»

Die Semestereinnahmen stiegen so markant, weil viele KMU die Pensionsguthaben ihrer Beschäftigten zu Swiss Life transferierten. Die Konkurrentin Axa löste vergangenes Jahr das Angebot garantierter Pensionsversicherungen auf. Daraufhin kam es im Vorsorgemarkt zu merklichen Verschiebungen. Swiss Life ist nun bei KMU-Pensionslösungen alleiniger Marktführer.

Gesetzliche Garantievorgaben begrenzen jedoch die Profitabilität dieses Geschäftsteils. Die Neugeschäftsmarge im Segment Vorsorge- und Lebensversicherung schwand im ersten Jahresteil von 2,6 auf 1,8%. Die intern auf 1,5% festgelegte Hürde sei dennoch übertroffen, betonte der Konzernchef. Er verwies darauf, dass Swiss Life das vergrösserte Volumen effizient betreiben könne: «Das Vorsorgesegment spielt die Kapitalkosten trotz einengender Vorschriften ein.»

Volumeneffekt wird sich nicht fortsetzen

Das Management gibt keine Jahresprognose ab. Der Übertragungseffekt im Pensionsgeschäft wird sich im zweiten Jahresteil und auch nächstes Jahr nicht wiederholen. Dann verwässert sich die nominelle Steigerungsrate.

«Finanz und Wirtschaft» schätzt, dass Swiss Life den Jahresgewinn kräftig ausweiten wird. Allerdings darf für die Vorschau der Semesterüberschuss von 617 Mio. Fr. nicht unbesehen verdoppelt werden, denn die erwähnte Auflösung von Steuerrückstellungen ist einmaliger Natur. Aber die Annahme von wenig unter 1,2 Mrd. Fr. Jahresgewinn bzw. 36.10 Fr. je Aktie scheint realistisch.

Mehr Dividende in Aussicht

Die Aktien sind zum Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 bewertet. Wird für 2020 eine Gewinnsteigerung um weitere 5% angenommen, errechnet sich ein KGV von 12. Beide Werte belegen, dass die Valoren angesichts der Wachstumskraft von Swiss Life günstig bewertet sind. Hinzu kommt die Dividendenrendite. Sie steht für 2019 auf 3,9%, wenn davon ausgegangen wird, dass die Ausschüttung parallel zum Gewinn steigt.

 

 

Die komplette Historie zu Swiss Life finden Sie hier. »

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