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Wie sich Swiss Re von der Konkurrenz abhebt

Der Schweizer Rückversicherer nutzt die digitale Datenflut für Neuerungen - auch weil im Stammgeschäft Katastrophenrückversicherung das Preisgefüge desolat bleibt.

Der Versicherer Swiss Re (SREN 84.48 +0.81%) rechnet mit einer Stabilisierung der seit einiger Zeit unter Druck stehenden Preise für Rückversicherungsdeckung. Das zweite Quartal 2016 habe gezeigt, dass Naturkatastrophen in einer gewissen Häufung auftreten können, teilt das Unternehmen am Montag anlässlich des Branchentreffens in Monte Carlo mit.

Von der Konkurrenz abheben will Swiss Re sich mit einer klugen Nutzung des zunehmenden Stroms digitaler Daten. «Mit einem computergestützten Erkennen von Mustern in der Datenflut erwarte ich für die Analytik und die Kontraktgestaltung erhebliche Effizienzgewinne», sagte Konzernchef Christian Mumenthaler an einer Medienveranstaltung in Monte Carlo.

Kostenblock kann bis zu 50% gestutzt werden

Verbesserte Datenauswertungen und darauf angepasste Betriebsabläufe könnten den Kostenblock der Versichererbranche in recht kurzer Zeit um etwa die Hälfte schmälern, ist Mumenthaler überzeugt.

Swiss Re arbeite zudem daran, den Kunden auf der Erstversicherungsstufe ausgeklügelte Werkzeuge zur Risiko- und Preisbestimmung zur Verfügung zu stellen, um sich damit lukrative Verträge zu sichern, wie der für Tarifkalkulationen zuständige Matthias Weber erläuterte.

Digitale Datenanalyse für die Kundenbindung

Gelegenheit dazu böte sich in der Gesundheitsversicherung, beispielsweise durch Auswertung von Twitter-Textnachrichten auf anonymisierter Basis für eine Prognose von Gesundheitsrisiken in Ländern oder Regionen. Dabei könne es etwa um eine ergänzende Plausibilisierung der Häufigkeit von Herz-/Kreislauferkrankungen handeln.

Swiss Re will auch in der Motorfahrzeugrückversicherung den Primärversicherern innovative Techniken anbieten, um deren Absatz und damit die eigenen Geschäftschancen zu fördern. Gemäss Weber wird nach Applikationen gesucht, die Fahrzeuglenker online über das eigene Fahrverhalten informieren und allenfalls zu einer angepassten Fahrweise zu motivieren – mit günstigem Effekt auf das Schadenrisiko, das auf die Versicherer und Rückversicherer zurückfällt.

Ende der Preisbaisse absehbar

Im Kerngeschäft Schadenrückversicherung stabilisiere sich das Preisgefüge, merkte Weber an: «Der Boden für die Neugeschäftspreise ist in Sicht oder bereits erreicht». Eine Aufwärtsbewegung könne jedoch erst in wenigen Marktsegmenten ausgemacht werden.

Konzernchef Mumenthaler betonte, das Unternehmen halte sich im Neuabschluss von Standardverträgen – sogenanntes Flow Business – zurück. Dank ausgezeichneter Beziehungen zu vielen Erstversicherern liessen sich hingegen vermehrt massgeschneiderte Deckungskontrakte absetzen, in die vergleichsweise starke Margen eingearbeitet seien. «Diese Deals werden oft nach Diskussionen auf Stufe CEO oder CFO abgeschlossen», ergänzte Mumenthaler.