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Swiss Re sagt Börsengang von ReAssure ab

Der Rückversicherer bringt seine Sparte wegen ungenügender Investorennachfrage doch nicht an die Börse. Kommt jetzt Private Equity zum Zug?

(AWP/TH) Der Versicherer Swiss Re (SREN 99 -0.52%) setzt den geplanten Börsengang der Tochtergesellschaft ReAssure aus. Er halte aber am Ziel fest, die Beteiligung am britischen Versicherungsdienstleister zu reduzieren und zu dekonsolidieren, wie Finanzchef John Dacey am Donnerstag mitteilte.

Die Aussetzung des IPO sei eine Folge der gestiegenen Zurückhaltung und der schwächeren Nachfrage grosser institutioneller Investoren am britischen Primärmarkt. Am Vortag war am Markt eine mögliche Verschiebung des Börsengangs bereits gerüchteweise herumgereicht worden. In der Folge verloren die Aktien am Mittwoch 2,5%.

Nochmaliger Aktienrückkauf fällt aus

Die Aktionäre von Swiss Re werden nun voraussichtlich nicht in den Genuss eines nochmaligen Aktienrückkaufs kommen. Das Management hatte angedeutet, der Erlös eines Teilbörsengangs von ReAssure könnte gegen Ende des Jahres dafür verwendet werden.

Unter dem laufenden Kaufprogramm von maximal 1 Mrd. Fr. hat der Konzern bereits eigene Aktien im Wert von 350 Mio. Fr. vom Markt gekauft.

Ohnehin mehr als genug Kapital

Finanzchef Dacey ist weiter davon überzeugt, dass eine breitere Aktionärsbasis für ReAssure das Beste wäre. Für Swiss Re bestehe jedoch keine Notwendigkeit, die Aktien zu jedem Preis zu veräussern, schreibt er in der Medienmitteilung.

Das ändert nichts daran, dass das Management das Nachfragepotenzial für die Aktien ihrer Tochtergesellschaft falsch eingeschätzt hat. Doch der Konzern hat keinen Geldbedarf. Er ist gar überkapitalisiert. Gemessen am Solvenztest der Finanzmarktaufsicht wird das Kapitalerfordernis gleich Zweieinhalbfach erfüllt.

Gerüstet für Expansionsgelegenheiten

Nun bleiben Swiss Re und MS&AD, die 75 bzw. 25% des Kapitals halten, dem Unternehmen weiterhin uneingeschränkt verpflichtet. Sie würden dessen Management unterstützen und würden sich an zukünftigen Akquisitionen entsprechend ihrer jeweiligen Anteilsquote beteiligen.

Das Geschäftsmodell von ReAssure umfasst, von Lebensversicherern ganze Bestände laufender Policen zu erwerben und bis zu deren Ablauf bzw. Rückzahlung zu verwalten. Dazu ist ein hoher anfänglicher Kapitaleinsatz nötig, und erst nach Beendigung der einzelnen Transaktionen bleibt ein Mehr- oder Minderwert.

Der Börsengang des Unternehmens war von langer Hand geplant. Bereits im August des vergangenen Jahrs hatte Swiss Re ihn in Aussicht gestellt, während man sich gleichzeitig die Tür für einen allfälligen Verkauf des Geschäfts offen gehalten hatte.

Kommt nun Private Equity zum Zug?

Swiss Re hatte ReAssure im Rahmen der Vorbereitungen in eine eigenständige Gesellschaft umgewandelt und gemeinsam mit dem japanischen Partner MS&AD die Kapitalposition aufgestockt. Der Schweizer Konzern hat den Investoren versprochen, seinen Anteil an ReAssure von 75 unter 50% zu senken.

Zu möglichen Vorgehen werden zwar keine Angaben gemacht. Nicht unrealistisch ist, dass sich ein Private-Equity-Fonds massgeblich oder gar mehrheitlich investiert. Gleiches ist bereits bei zwei kleineren Wettbewerbern von ReAssure geschehen.

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