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Swisscom soll M&A-Pläne für Fastweb haben

Der Telecomkonzern prüft angeblich Optionen für seine Tochtergesellschaft in Italien. Dort ist der Wettbewerb intensiver geworden.

Die Aktien des Telecomkonzerns Swisscom (SCMN 504.60 -1.10%) waren am Montag der stärkste Wert im Swiss Market Index (SMI (SMI 11'128.24 -0.24%)). Sie gewannen 1,3%, während das Blue-Chip-Barometer 0,1% nachgab. Auch am Dienstag notieren die Titel am Vormittag leicht freundlich. Möglicher Auslöser: ein Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, wonach Swisscom Optionen für die italienische Tochter Fastweb prüft. Dazu zählten ein Verkauf oder eine Kooperation, heisst es.

Swisscom wollte den Bericht auf Anfrage von «Finanz und Wirtschaft» nicht kommentieren. Bloomberg schrieb am Montag mit Verweis auf Personen, die mit dem Vorgang vertraut sind, es habe bereits Gespräche mit dem Hongkonger Konglomerat CK Hutchison gegeben, dem der italienische Mobilfunkanbieter Wind Tre gehört.

Gespräche in frühem Stadium

Demnach sind die Gespräche in einem frühen Stadium, und Swisscom könnte sich gegen einen Deal entscheiden. Der Schritt könnte eine Reaktion auf den Markteintritt der französischen Iliad in Italien Ende Mai sein. Zudem muss die Branche nach der Auktion für neues Mobilfunkspektrum 6,5 Mrd. € zahlen, deutlich mehr als erwartet. Auf Fastweb entfallen lediglich 33 Mio. €.

Der Breitbandanbieter Fastweb ist mit einem eigenen Mobilfunkangebot in Italien vertreten, hat aber mit 1,3 Mio. Handykunden einen Marktanteil im unteren einstelligen Prozentbereich. Ziel von Fastweb ist es, ein komplettes Bündel mit Telecomdiensten offerieren zu können. Wind Tre kam gemäss der jüngsten Erhebung des nationalen Regulators AGCOM auf knapp ein Drittel Marktanteil.

«Kleiner Iliad-Effekt»

Swisscom-CEO Urs Schaeppi hatte anlässlich der Halbjahreszahlen im August einräumen müssen, dass sich die neue Konkurrenz bemerkbar macht. «Wir sehen einen kleinen Iliad-Effekt», sagte er seinerzeit. So entwickelte sich die Zahl neuer Mobilfunkabonnenten im zweiten Quartal (95’000) nicht mehr so gut wie im ersten (120’000).

Generell hat sich Fastweb in den letzten Jahren gemausert und ist Wachstumsmotor im Swisscom-Konzern. Die Tochter steuert rund ein Fünftel zum Umsatz bei und knackte im ersten Semester die 1-Mrd.-€-Umsatzgrenze. Für das italienische Unternehmen zahlte Swisscom vor elf Jahren 47 € pro Aktie. Inklusive Schulden belief sich die Transaktion auf 6,9 Mrd. Fr. – die grösste Akquisition der Unternehmensgeschichte. Der Erwerb von Minderheiten kostete später noch 256 Mio. €.

Zusammenlegung oder Verkauf?

Die Bank Vontobel (VONN 62.80 +0.48%) schätzt den Wert von Fastweb am Dienstag in einem Kommentar auf maximal 4,5 bis 4,8 Mrd. Fr., was dem 5,7- bis 6-Fachen des Ebitda entspricht. Eine künftige Wertschöpfung sei nicht selbstverständlich, meint Chef-Analyst Panagiotis Spiliopoulos zu den Perspektiven von Fastweb.

Der Markt in Italien bereite sich auf die Einführung der 5G-Dienste vor und Iliad sei mit einer aggressiven Preispolitik in den Markt eingestiegen. Eine potenzielle Zusammenlegung mit einem überzeugenden Mobilfunkpartner würde Fastwebs Wettbewerbsposition stärken, so Vontobel weiter.

Nach Einschätzung von Morgan Stanley (MS 91.66 +1.62%) würde die überwiegend im Festnetz-Breitbandgeschäft tätige Fastweb gut zu einem Telecomanbieter passen, der stark im Mobilfunkgeschäft ist. Die US-Grossbank sieht Fastwebs Wert bei 5,3 Mrd. Fr. und meint, im Falle eines Verkaufs der Tochtergesellschaft könnten Swisscom-Investoren eine Sonderausschüttung erhalten.